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Erste Schweizer Bank gibt Negativzinsen an Privatkunden weiter

Die Alternative Bank Schweiz, eine kleine sozial-ökologisch orientierte Bank in der Schweiz geht mutig voran: Auf dem Girokonto werden 2016 ab dem ersten Franken 0,125 % Zinsen verlangt, 0,75 % für höhere Beträge. Kleinsparer bleiben jedoch verschont: Auf dem Sparkonto sind bis zu 100.000 Franken kostenfrei. Das Beispiel der ABS sollte Schule machen!

Nachdem die Schweizerische Nationalbank im Januar 2015 Negativzinsen eingeführt hatte, müssen die Banken für ihre Giroguthaben bei der Notenbank einen Einlagenzins von 0,75 % zahlen. Dies führte dazu, dass einige größere Banken von ihren Großkunden, z.B. Pensionskassen, die Millionbeträge deponieren, Negativzinsen verlangen.

Mit der kleinen Alternativen Bank Schweiz (ABS) gibt erstmals eine Bank ihre zusätzlichen Kosten auch an Privatkunden weiter, und zwar auf dem normalen Girokonto ab dem 1. Januar 2016 schon ab dem allerersten Franken.

Am Freitag meldete die Nachrichtenagentur sda, ihr läge der Brief vor, mit dem die ABS ihre Kunden über die neuen Zinskonditionen informiere. Das Schweizer Radio SRF und eine Reihe Tageszeitungen berichteten. Die Boulevardzeitung „Blick“ titelte: „Statt Zinsen gibt es hier jetzt eine Rechnung!“

Der Negativzins beträgt 0,125 % auf allen Alltagskonten für den privaten Zahlungsverkehr. Ab 100.000 Franken Einlage verrechnet das Bankhaus bei Privatpersonen den Negativzins der Nationalbank von 0,75 %. Bei Vereinen liegt die Schwelle bei 500.000 und auf dem Kontokorrentkonto für Firmenkunden bei einer Million Franken.

„Das ist ein radikaler Schritt, den sich vorerst nur die ABS erlauben kann“, hieß es im Radiobeitrag des SRF. ABS-Mediensprecherin Barbara Felix erklärte: „Die meisten bringen das Geld nicht zu uns, weil sie einen Profit erwirtschaften möchten, sondern weil sie wollen, dass das Geld sinnvoll eingesetzt wird.“ Tatsächlich gibt es bislang bei der ABS auf dem Sparkonto nur 0,025 % Zins bei einem Sparbetrag von bis zu 100.000 Franken und Nullzins bei größeren Beträgen.

Die soziale und ökologische Orientierung sowie Transparenz zahlen sich trotzdem aus. Die ABS steigerte 2014 ihren Reingewinn um 17 Prozent auf 1,1 Millionen Franken. Zum ersten Mal stiegen die vergebenen Kredite auf über eine Milliarde Franken und die Zahl der Kunden erhöhte sich um 2.500 auf 33.000. Die 1990 gegründete AG wurde erst kürzlich mit dem Sustainability Innovation Award der Business School Lausanne dafür ausgezeichnet, dass sie Nachhaltigkeit in besonderer Weise in ihr Geschäftsmodell integriert hat.

Das beweist sie auch jetzt. „Ihren Kunden rät die Bank, grössere nicht gebrauchte Beträge auf ein Sparkonto zu transferieren oder in Kassenobligationen anzulegen. Wer die Negativzinsen auf Beträgen von über 100'000 Franken vermeiden will, soll sich an die Anlageberatung wenden“, soll es im Schreiben geheißen haben. Das ist absolut sinnvoll, denn mit längerfristig angelegten Geldern kann die Bank risikofreier kalkulieren und faire Kreditkonditionen für nachhaltige Projekte anbieten.

Das Beispiel sollte Schule machen! Dass das so sein wird, davon geht Maurice Pedergnana, Bankenprofessor an der Hochschule Luzern, aus. Der Schritt erstaune ihn überhaupt nicht, sagte er dem SRF. „Er wird noch Schule machen.“  Aus ökonomischer Sicht hätten die Banken keine andere Wahl, so Pedergnana. Denn für Kredite wie etwa Hypotheken könnten die Geldhäuser ja nicht plötzlich mehr verlangen, ohne die Kreditnehmer zu vergraulen.

Andere Banken müssen noch lernen, die überbordende Liquiditätshaltung zu belasten, die die eigentlichen Kosten verursacht. Bisher halten sie sich leider vor allem an den Hypothekarschuldnern schadlos, wie eine gerade veröffentlichte Studie zeigt, die in der Berichterstattung über die ABS ebenfalls Erwähnung findet: “Sie kompensieren die Verluste bei den Kundeneinlagen mit deutlich höheren Margen im Kredit- und Hypothekargeschäft. Die Zinsmarge der Banken ist seit Beginn der Niedrigzinsen rückläufig. Die durchschnittliche Marge der untersuchten Retailbanken ging von 2007 bis 2014 von 1,61 auf 1,19 Prozent zurück. Bereits Ende 2014 konnten die Banken keine Erträge auf neuen Einlagen zur Deckung ihrer Betriebskosten erwirtschaften.“

Die ABS geht mutig voran! Es gibt eben kein Naturrecht auf positive Zinsen. Die Zeiten, in denen man mit Geld mehr Geld machen kann, sollten bald der Vergangenheit angehören.

Quellen:

http://www.abs.ch

http://www.blick.ch/news/wirtschaft/erste-schweizer-bank-fuehrt-negativzinsen-ein-statt-zinsen-gibt-es-hier-jetzt-eine-rechnung-id4267673.html

http://www.srf.ch/news/wirtschaft/erste-schweizer-bank-verlangt-zins-fuer-bankguthaben