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Enteignung ist nicht das Ziel, sondern Folge von Phantasielosigkeit

In seinem lesenswerten Beitrag »Es wird ernst mit der Enteignung« setzt sich Daniel Stelter mit dem Für und Wider eines Bargeldverbotes auseinander. Die Abschaffung des Bargeldes lehnt er nicht nur wegen der negativen Folgen für die Gesellschaft ab, sondern auch, weil diese Maßnahme nicht erfolgversprechend ist.

Daniel Stelter weist zu Recht darauf hin, dass ein »Zusammenbruch des Weltschuldenturms nur durch noch tiefere, also negative Zinsen« zu verhindern ist. Unter den gegenwärtigen Bedingungen müsse dies zu einer Flucht aus dem Bankensystem führen, was wiederum gefährliche Preisblasen beim Boden und anderen Vermögenswerten befeuern würde. Er betont daher zu Recht, die »Flucht in das Bargeld, welches sich ohne Zinsverlust im Banksafe lagern ließe, muss auf jeden Fall verhindert werden«.

Genau diese Zielsetzung verfolgt die von Silvio Gesell konzipierte Maßnahme, eine Gebühr zur Sicherung des Bargeldumlaufes zu erheben. Eine Geldgebühr würde gewährleisten, dass Geld auch weiterhin zum Kaufen, Handeln und Verschenken ohne nennenswerte Kosten genutzt werden kann. Gleichzeitig jedoch die Unterbrechung des Geldumlaufs durch Hortung Kosten verursachen wird. Eine Geldgebühr würde die spekulativen Kassen und damit die Kapitalmärkte belasten, gleichzeitig jedoch die Realwirtschaft beleben.

In einem sehr maßgeblichen Punkt ist Herrn Stelter jedoch zu widersprechen. Er schreibt: »Selbst wenn es gelänge das Zinsniveau fünf Prozentpunkte unter die nominale Wachstumsrate der Wirtschaft zu treiben, würde es noch Jahrzehnte dauern, bis die Schulden auf einem wieder tragfähigen Niveau wären. Solange werden wir eine Dauerkrise politisch nicht durchhalten«. Wenn es mithilfe einer Geldgebühr und der Negativzinsen der Zentralbanken gelingt, ein Ausweichen in die Bargeldhortung zu unterbinden, wird sich auch das Kapitalmarktzinsniveau der Nullzins-Marke nähern. Damit verlören Schulden ihren Schrecken und würden rückzahlbar. Die Geldguthaben stünden unter einem gesunden Druck, wodurch Kredite auch bei geringen oder gar nicht vorhandenen Renditeerwartungen zustande kämen. Beide Effekte würden die Wirtschaft maßgeblich stabilisieren und uns aus der »Dauerkrise« herausführen.

Daniel Stelter kommt mit seinem Szenario zu Konsequenzen, die noch schwieriger und radikaler sind: »Wirklich los werden wir die faulen Schulden nur auf radikale Wege: Entweder durch eine Monetarisierung über die Bilanzen der Notenbanken, was erhebliche Inflation zur Folge haben könnte - keiner weiß es - oder über offene Schuldenschnitte, die dann jene am stärksten treffen, die auch die meisten Forderungen haben.« Alternativ dazu bietet die "sanfte" Geldreform nach Gesell die Chance, die Überschuldung der Wirtschaft und der Staaten durch ein dauerhaftes Nullzins-Niveau zunächst einmal tragbar und langfristig lösbar zu machen.

Klaus Willemsen, 29.1.2016

Verwendete Quelle:
www.manager-magazin.de/politik/artikel/daniel-stelter-was-passiert-mit-dem-bargeld-a-1073706.html

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