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Ein Schritt in die richtige Richtung

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft geht an den britischen Konsumforscher Angus Deaton. Geld- und Bodenreformer mag diese Entscheidung nicht begeistern; erzürnen, wie so manch eine vorangegangene Entscheidung, tut sie uns aber auch nicht.

Deaton engagiert sich für die Unterprivilegierten, für die, die im globalen Monopoly auf der Strecke bleiben. Er hat gängige Lebenslügen der Ökonomie infrage gestellt. Bei der Untersuchung der Ursachen für Armut liegt sein Fokus vielleicht zu sehr bei den Armen. Damit lenkt er von der wichtigste Ursache für Armut ab: der zunehmenden Konzentration von Reichtum.

Von großer Bedeutung, insbesondere für die aktuelle Suche nach „Fluchtursachen“, könnten seine Erkenntnisse zur Funktion der „Entwicklungshilfe“ sein. »All die Milliarden, die Industrieländer in den vergangenen Jahren in Entwicklungshilfe investierten, hätten wenig bewirkt. Ein Großteil der Hilfsgelder würde in korrupten Systemen versickern«, fasst zeit-online seine diesbezügliche Arbeit zusammen. Klassische Entwicklungshilfe dient in der Regel der Förderung der Ökonomie der Geberländer. Geld für Atomkraftwerke, Staudämme, Straßen, Flughäfen usw. fördert in erster Linie das Wachstum in den reichen Nationen. Entwicklungsmilliarden sichern den Geldgebern Einfluss und Zugang zu Ressourcen, stabilisieren korrupte Eliten und erreichen selten die Masse der Bevölkerung.

»Deaton glaubt – anders als viele Ökonomen – auch nicht daran, dass Wirtschaftswachstum alle Probleme der Entwicklungsländer wird lösen können.« Entwicklung muss ganz unten beginnen. Allen Menschen muss ausreichend Wasser, Nahrung und Hygiene zur Verfügung stehen und ein Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung ermöglicht werden. Für die Ökonomie ist dabei entscheidend, dass jedes Individuum Zugriff auf Kapital und Boden hat, um sich mit eigener Arbeit diesen Zugang zu sichern. Dies ist, seit der Kapitulation des Marxismus, die offene Flanke der Ökonomie. Deatons »Themen, die Entwicklungsökonomie und die Ungleichheitsforschung, sind zwei Gebiete der Wirtschaftswissenschaft, die zuletzt zwar populär waren, von vielen Ökonomen aber noch immer als Modethemen abgetan werden«, beschreibt Zeit-online die Debatte.

Für die Kernfrage, wie man sicherstellen kann, dass allen Menschen gleiche Konditionen beim Zugriff auf Kapital und Boden gesichert werden können, steht der Wirtschaftsnobelpreis noch aus. Der Kandidat, dessen Arbeiten dafür ausgezeichnet werden, hat dann sicherlich auch Anspruch auf den bedeutenderen Friedensnobelpreis.

Klaus Willemsen, 13.10.2015

Verwendete Quelle:
http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-10/wirtschaftsnobelpreis-angus-deaton-nobelpreis/komplettansicht

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