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Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

Die Abschaffung der 500-Euro-Scheine ist für die EZB nicht aus Gründen der Kriminalitätsbekämpfung interessant, sondern eine Maßnahme, um der gefährlich expandierenden Geldhortung etwas entgegenzusetzen.

Ohne die 500-er würden die Tresorkosten auf das Zweieinhalbfache steigen und so die Bargeldhortung deutlich verteuern, schreibt Professor Sinn in der FAZ.

Quelle: Wikipedia

Hans-Werner Sinn geht zu Recht davon aus, dass eine weitere Leitzinssenkung derzeit kaum möglich ist, da sie eine massive Umschichtung in Bargeldbestände auslösen würde. Leider ist er nicht in der Lage, die positive Gesamtbilanz von Negativzinsen zu erfassen. Stattdessen versteigt er sich in abstruse Interpretationen der ökonomischen Effekte.

»Für Deutschland wären negative Zinsen alles andere als angenehm, denn Deutschland ist das Land der Sparer. Auch wenn der überschuldete deutsche Fiskus profitierte, würde Deutschland insgesamt unter negativen Zinsen leiden«, lautet sein Pauschalurteil. Kein Wort verliert er darüber, wieviele Milliarden Euro die Betriebe einsparen und auch konkrete Zahlen, was die öffentlichen Körperschaften in Deutschland tatsächlich einsparen, vermeidet er.

Interessant ist sein Verweis auf Italien. »Schon durch die bisherigen Zinssenkungen, die der Euro zum Beispiel Italien bescherte, hat der italienische Staat jährlich mehr Geld gespart, als er an Mehrwertsteuern einnimmt.« Fast identisch mit Italien beträgt die Staatsverschuldung Deutschlands über 2.000 Milliarden Euro. Die Staatsverschuldung der gesamten EU beläuft sich auf über 12 Billionen Euro. Die Bilanz der Zinsersparnis für die einzelnen Haushalte wäre in diesem Zusammenhang sehr aufschlussreich. Auch wäre ein Gedanke hilfreich, welche Effekte sich dadurch für die deutsche Wirtschaft und unseren Beschäftigungsmarkt ergeben.

Stattdessen behauptet der Autor, dass negative Zinsen Wohlstandsfallen seien, weil »sich dort das Sparkapital Jahr um Jahr verringert, anstatt durch Zins und Zinseszins zu wachsen«. »Bedenkt man, dass man früher durch jahrzehntelanges Sparen damit rechnen konnte, dass das Dreifache der Ersparnis für die Rente zur Verfügung stand, so kommt bei negativen Zinsen nicht mal die Ersparnis selbst zurück«. Man kann darüber hinwegsehen, dass an dieser Stelle der Inflationseffekt übersehen wird. Was man allerdings nicht übersehen darf, ist der Umstand, dass die Zinsgewinne immer aus der Leistung der arbeitenden Bevölkerung und deren Arbeitsertrag abgezweigt werden. Eine »Wohlstandsfalle« sind Zinsen für jene, die sie erarbeiten müssen und die es sich nicht "leisten" können, von ihren Kapitalerträgen zu leben.

Auch in der ökonomischen Weltanschauung von Professor Sinn sind Zinsen ein Preis für Knappheit und Risiko. Ein darüber hinausgehender moralischer Anspruch auf leistungslose Einkommen ist, nach den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft, nicht nachvollziehbar. Genau das aber unterstellt das folgende Zitat: »Anstatt Zinsen für ihre Schulden zahlen zu müssen, erhalten die überschuldeten Staaten Zinsen von den Sparern, die ihnen ihr sauer verdientes Geld geliehen haben.« Das »sauer verdiente Geld«, das den Staaten geliehen wird, stammt zum größten Teil aus akkumulierten Zinserträgen, worauf Herr Sinn auch hinweist, und nur zu einem kleinen Teil aus angesparter Arbeitsleistung. Ferner ist es jedem Anleger, von einigen Einschränkungen für Versicherer abgesehen, bei jeder Neuanlage freigestellt, sein überschüssiges Geldvermögen dem Staat anzubieten oder anderweitig zu investieren.

Nach Jahrzehnten einer, zum Teil künstlich verstärken, Kapitalknappheit mit konstant hohen Kapitalrenditen, ist das Gejammer über die Zinsentwicklung beschämend. Professor Sinn geht dabei sogar so weit, Knappheitsgewinne früherer Zeiten als aktuelle Verluste zu definieren und entsprechend die gesunkenen Zinsbelastungen der Staaten als Gewinne zu bezeichnen. So entstünden deutschen Kapitalbesitzern ein jährlicher »Verlust an Kapitalerträgen von etwa 68 Milliarden Euro«, während die südeuropäischen Krisenländer »jährlich etwa 85 Milliarden Euro an Gewinnen« erzielen würden!

Nach dieser Logik müssten Arbeitnehmer eine zweiprozentige Lohnerhöhung als Verlust bilanzieren, wenn sie im Vorjahr noch 4,5 % Lohnerhöhung erringen konnten. Eine perfide Denkweise, die leider den ökonomisch wertvollen Kern dieses Beitrags überlagert. »Gelänge es der EZB, die durchschnittlichen Marktrenditen um weitere 0,45 Prozentpunkte zu senken, wie es wegen der Erhöhung der Tresorkosten zu erwarten ist,« … würde ein größerer Teil der gehorteten Geldbestände der Wirtschaft als günstige Kredite zur Verfügung stehen, würden für die Gesellschaft alle Schuldenrisiken besser kalkulierbar und könnten mehr Steuereinnahmen und Unternehmenserträge in Löhne und neue Arbeitsplätze fließen. Die zweite Hälfte dieses Satzes möchten wir dem Münchner Ifo-Institut und seinem Präsidenten als Denkanreiz mit auf den Weg geben.

Klaus Willemsen, 12.2.2016

Verwendete Quelle:

www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/hans-werner-sinn-wie-sich-der-einzug-des-500-euro-scheins-rechnet-14054372.html

 

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