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Drohung als Chance begreifen

VW-Chef Diess droht mit massivem Stellenabbau, titeln die Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt und andere. Dabei ist sein Eingeständnis ein Angebot an die Gesellschaft. Anstatt sich von Drohgebärden beeindrucken zu lassen, sollten die Redaktionen die richtigen Fragen aufwerfen.

»Volkswagen-Chef Herbert Diess hat vor massiven Jobverlusten gewarnt, sollte die EU zu scharfe Klimaauflagen für Autos beschließen«, schreibt die Süddeutsche. Im Klartext heißt das, wenn man auf die Produktion von "Dreckschleudern "verzichtet, wird man deutlich weniger Autos verkaufen. Ein Viertel der Jobs in den VW-Werken, in absoluten Zahlen etwa 100.000 Arbeitsplätze, könnten eingespart werden. Diese Entwicklung bietet unserer Gesellschaft weit mehr Chancen als Risiken.

Für die Belegschaft bietet sich die Möglichkeit, weitere Vorruhestandsregelungen und Arbeitszeitverkürzung um bis zu 20 Prozent durchzusetzen. Für einen Konzern, der sich Bußgelder in zweistelliger Milliardenhöhe leistet, ist eine solche Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich umsetzbar. VW hat dies in der Vergangenheit bereits bewiesen. In Anbetracht der Beschäftigungslage wird ein gewisser Teil der Arbeitsplätze ohnehin mangels geeigneter Bewerber abgebaut werden müssen. Die technische Entwicklung, die die Produktivität jedes einzelnen Arbeitsplatzes rasant steigert, verlangt von den VW-Beschäftigten ohnehin, die Arbeitszeiten entsprechend anzupassen. Andernfalls wird es schon bald keine nennenswerte Belegschaft in den Hallen mehr geben. Hinzu kommt, dass die anhaltende Niedrigzinsphase die Kapitalbelastung und die Kapitalausschüttung des Konzerns minimiert. Dies macht eine weitere Verschiebung der Gewichte hin zu den Löhnen möglich.

Die betriebliche Situation ist für die Beschäftigten durchaus gewinnbringend lösbar. Wesentlich bedeutsamer ist jedoch die gesellschaftliche Verantwortung des Autobauers für das Lebensumfeld der Menschen und für die Klimaentwicklung. Die, nicht nur in München, reichlich chaotische Lage auf den Straßen erzwingt ein Umdenken in der Automobilproduktion. Das dürfte auch den Autoren Michael Bauchmüller, Mike Szymanski, Berlin, Max Hägler und Angelika Slavik nicht entgangen sein. Um auch in Zukunft die Mobilitätsanforderungen unserer Gesellschaft befriedigen zu können, müssen die Großstädte von Autos befreit werden. Es ist weder ökonomisch noch gesundheitspolitisch zielführend, wenn immer mehr Berufspendler immer länger in immer größeren Autos ihre Zeit in Staus verbringen. Da es selbst einem so reichen Konzern wie VW, mit einer gigantischen Entwicklungsabteilung, in der die weltweit fähigsten Ingenieure beschäftigt sind, nicht möglich ist, das permanente Umsatzwachstum klimaneutral zu realisieren, ist es zwingend notwendig, die Wachstumsziele zu hinterfragen.

Liebe SZ-Redaktion,
es gibt keinen geeigneteren Zeitpunkt, den notwendigen Umbruch in der Automobilindustrie einzuleiten, als derzeit. Die nahezu Vollbeschäftigung und der rasante Produktivitätszuwachs entlarven die "Sorge um die Existenz der Mitarbeiter" als das, was sie ist: reines Drohpotenzial. Das VW-Management hat mit seiner Wachstumsstrategie einen Weltkonzern in eine Sackgasse gefahren. Dafür jetzt die Politik oder die Luftverschmutzung, wie im Handelsblatt zitiert, verantwortlich machen zu wollen, ist mehr als peinlich.

Lesen Sie dazu auch »Dieselfahrverbote - ein Ablenkungsmanöver«, »Mythos grünes Wachstum« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.

Klaus Willemsen, 17.10.2018

Verwendete Quellen:

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vw-stellenabbau-co-grenzwerte-1.4164002

www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/autoindustrie-vw-chef-diess-holt-zum-rundumschlag-gegen-politik-und-konzern-kritiker-aus/23191434.html

www.inwo.de/medienkommentare/dieselfahrverbote-ein-ablenkungsmanoever/

www.inwo.de/medienkommentare/mythos-gruenes-wachstum/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/

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