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Die Dimensionen der Bargeldhortung

Sag noch einer, dass Bargeld heutzutage keine Rolle mehr spiele. Das Gegenteil ist der Fall: Bargeld ist der Joker im System, es hält die Zentralbanken davon ab, eine effektive Zinspolitik betreiben zu können. Reiche UBS-Kunden haben gerade zugegeben, angesichts der Unsicherheit vor den US-Wahlen 25 Prozent ihres Vermögens in bar zu halten. Auch der Brexit mahnt uns: Wir brauchen endlich eine Bargeldgebühr!

Zunehmende Bargeldmengen - wofür?

Die Nachrichtenagentur Reuters meldete heute: "Die Unsicherheit über den Ausgang der anstehenden Präsidentenwahlen verschreckt nach Einschätzung der UBS viele vermögende Kunden in den USA. Sie würden rekordhohe Barreserven halten, weil sie bei möglichen Marktturbulenzen Angst um ihre Ersparnisse hätten". Weil das Ergebnis der US-Wahlen am 8. November so ungewiss sei, würden sie vor Investitionen zurückscheuen, sagte Bob McCann, der für das Amerika-Geschäft der Schweizer Großbank zuständig ist. "McCann zitierte aus einer Umfrage der Großbank unter sehr vermögenden Kunden: Sie habe ergeben, dass 84 Prozent von ihnen erwarten, dass die US-Wahlen einen signifikanten Einfluss auf ihre Finanzkraft haben werde. Einige von ihnen hätten bereits in der Finanzkrise große Verluste erlitten und hielten nun immer noch mindestens 25 Prozent ihres Vermögens in bar."

Unsicherheit herrscht aber nicht nur bei den reichen US-Bürgern. Bargeldhortung ist ein weit verbreitetes Phänomen - und die Zentralbanken schauen bislang tatenlos zu. Die Bank of England (BoE) hatte den Banken vor dem Brexit-Referendum in zusätzlichen Auktionen sogar 9 Mrd. Pfund extra zur Verfügung gestellt - damit bei etwaigen vermehrten Bargeldabhebungen bloß keine Panik ausbräche.

Nach dem Austrittsvotum wird aktuell von der Bank of England eine weitere Lockerung der Geldpolitik erwartet. Ob ihr Gouverneur Mark Carney jedoch schon nach der morgen anstehenden Sitzung Negativzinsen verkünden wird, bleibt sehr fraglich. Denn auch das Britische Pfund gehört nicht erst seit dem Brexit-Referendum zu den Währungen, die gehortet werden (siehe Grafik). Eine Studie der BoE weist eine Zunahme des Pfund-Bargelds von 5,6 % im letzten Jahrzehnt aus. Der Wert der herausgegebenen Noten hat sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht. Und das obwohl das BIP-Wachstum längst nicht so stark war und die Bargeldzahlungen immer mehr durch unbare Zahlungsmethoden zurückgedrängt werden.

Wann endlich sorgen die Zentralbanken dafür, dass unsere Zahlungsmittel für die Allgemeinheit zur tatsächlichen Nutzung zur Verfügung stehen, statt in privaten Tresoren und schwarzen Kanälen zu verschwinden? Geld ist eine öffentliche Infrastruktur, ein öffentliches Gut - es gehört nicht zur Wertaufbewahrung in private Hände.

Wenn die weltweiten Ersparnisse so groß sind wie heute, dann muss ihr Ertrag bei ausbleibendem Wachstum sinken und sogar negativ werden. Dafür wird durch sinkende Kreditzinsen aber unsere Wirtschaft vor Rezessionen bewahrt, nachhaltig gestärkt und so Entschuldung erst möglich. Wir brauchen also effektive Negativzinsen - und das bedeutet: Wir brauchen ein Mittel gegen die zunehmende Bargeldhortung. Ein Ausweichen in Bargeld darf von den Zentralbanken nicht hingenommen werden. Sie sollten endlich eine Bargeldgebühr einführen! Außerdem darf auch ein Ausweichen auf den Immobilien- und Rohstoffmarkt nicht ohne Weiteres hingenommen werden. Hier muss die Politik jetzt durch eine effektive Bodenbesteuerung und Ressourcenabgaben gegensteuern.

Die Negativzinsen werden sich weiter durchsetzen, weil sie Sinn machen. Wenn die BoE auch morgen den Leitzins eventuell nicht weiter als auf 0 % senkt, so meint auch die Financial Times: "Das wird man sich in der Zukunft nochmals ansehen müssen, insbesondere weil Negativzinsen einen nachhaltigeren Effekt auf die Senkung der Renditen und die Schwächung der Währung haben und die Investoren mehr dazu anhalten, sich statt dem negativ verzinsten Bargeld riskanteren Aktiva mit positivem Ertrag zuzuwenden."

 

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Quellen:

www.bankofengland.co.uk/publications/Documents/quarterlybulletin/2015/q3prerelease_1.pdf

http://de.reuters.com/article/schweiz-ubs-us-wahlen-idDEKCN0ZT0N0

https://next.ft.com/content/3ac7aa92-42a0-11e6-b22f-79eb4891c97d

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