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Die Corona-Pandemie stürzt die Europäische Union in die schwerste Rezession ihrer Geschichte,

... meldet die Deutsche Presseagentur (dpa). »Europa erlebt einen ökonomischen Schock, wie es ihn seit der großen Depression nicht mehr gegeben hat«, kommentierte Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni die Frühjahrs-Konjunkturprognose. Die EU-Kommission erwartet einen Anstieg der Arbeitslosenquote in Europa auf über 9 % und einen Anstieg der Bruttostaatsverschuldung in den meisten EU-Ländern von 10-25 % des BIP.

»In der Eurozone könnte die Wirtschaftsleistung dieses Jahr um 7,7 Prozent schrumpfen, in der EU als Ganzes um 7,4 Prozent«, melden die Medien übereinstimmend. Die Defizit- und Schuldenregeln der Maastricht-Verträge sind praktisch außer Kraft gesetzt. »Der Schuldenstand der Staaten der Eurozone wird laut Prognose von 86 Prozent 2019 auf rund 103 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen - dabei erlauben die üblichen Regeln nur 60 Prozent des BI,«, merkt Zeit-online an.

Der unkontrolliert ansteigende Schuldenstand geht einher mit einer entsprechenden Vermögenszunahme und einem absurden Anstieg der Geldmenge. Die Fachpresse spricht ungeniert von »Geldschwemme« ohne die mit einem solchen Begriff belegte Entwicklung kritisch zu hinterfragen. Eine Auswirkung auf die Verbraucherpreise ist statistisch nicht festzustellen, was in der Konsequenz bedeutet, dass immer mehr Geld zwar täglich verfügbar ist, jedoch nicht zum Einsatz kommt. So seltsam es klingen mag, die exorbitant hohen Geldvermögen steigern gleichermaßen das Gefahrenpotential sowohl für eine Inflation als auch für eine Deflation.

Die Verantwortlichen bis hinauf in die Spitze der EU-Kommission tun das, was man von ihnen in einer solchen Situation erwartet, sie leugnen die ins Haus stehende Gefahr: »Inflationsgefahr sieht die Kommission trotz der Geldschwemme nicht, im Gegenteil. Die Teuerungsrate in der Eurozone, die mit dem sogenannten Harmonisierten Index der Verbraucherpreise gemessen wird, wird für 2020 mit 0,2 Prozent angesetzt und für 2021 dann mit 1,1 Prozent«. (Zeit-online) Dass die Eurozone ergo einen deflationären Schock erlitten hat, bleibt unerwähnt. Immer größere Geldvermögen verweigern sich einer gesunden und notwendigen Nachfrage. Und nicht nur die EU-Kommission tut alles um diese Entwicklung zu ignorieren.

Bei der europäischen Zentralbank wurde diese Gefahr bereits vor Jahren erkannt. In einem Artikel an zentraler Stelle schrieben Katrin Assenmacher-Wesche (ECB, Head of Devision Monetary Policy Strategy) und Signe Krogstrup bereits 2018: »Der geldpolitische Spielraum ist in vielen Ländern nach wie vor durch die (Zins-)Untergrenze (Lower-Zero-Bound) begrenzt, was die politischen Optionen zur Bewältigung künftiger deflationärer Schocks einschränkt. Die Existenz von Bargeld hindert die Zentralbanken daran, die Zinssätze weit unter Null zu senken.« Aus diesem Grund untersuchten sie, was zu tun ist, um eine negative Rendite auf Bargeld zu erzielen, um so die Untergrenze für eine Zinssenkung aufzuheben.

Das Corona-Virus hat der Eurozone den prognostizierten deflationären Schock versetzt. Es wäre jetzt an der Zeit, dem mithilfe einer Bargeldgebühr entgegenzutreten. Eine Bargeldgebühr würde die bereits herausgegebene Geldmenge aktivieren, im Idealfall das Zinsniveau an die reale Wirtschaftsleistung anpassen, ein Abschmelzen der Schuldenberge und Geldvermögen ermöglichen und vor allem die Beschäftigungslage in der gesamten EU stimulieren.

Das aggressive Schweigen aller Protagonisten ist ein Schlag ins Gesicht der europäischen Bürger. Wer neue, öffentliche Schulden fordert, wer Billionen Euro Steuergelder zur Ankurbelung der Wirtschaft und zur Rettung von Existenzen auf den Weg bringt, der darf zur Notwendigkeit einer Geldgebühr nicht schweigen.


Lesen Sie hierzu auch: »Corona und danach«, »die Angst vor dem deflationären Schock«, »Aufbruch in die Minus-Welt« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.


Klaus Willemsen, 07.05.2020


Verwendete Quellen:

https://www.zeit.de/news/2020-05/06/prognose-eu-vor-rezession-historischen-ausmasses
Diese Meldung ist Teil des automatisierten Nachrichten-Feeds der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

www.imf.org/en/Publications/WP/Issues/2018/08/27/Monetary-Policy-with-Negative-Interest-Rates-Decoupling-Cash-from-Electronic-Money-46076

www.inwo.de/medienkommentare/corona-und-danach/

www.inwo.de/medienkommentare/die-angst-vor-dem-deflationaeren-schock/

www.inwo.de/medienkommentare/aufbruch-in-die-minus-welt/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/