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Die Angst vor dem »deflationären Schock«

Die anlässlich der Corona-Pandemie-Bekämpfung ausbrechende große neue Wirtschaftskrise betrifft sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite der Wirtschaft. Es scheiden sich noch die Geister, ob die weitere Entwicklung eher deflationär oder inflationär verlaufen wird.

Auf Tagesschau.de geht man offenbar davon aus, dass eine Deflation droht, denn dort wird aktuell über die Angst vor dem »deflationären Schock« berichtet.1 Es heißt dort: »Die Märkte senden beunruhigende Signale, einige Marktbeobachter fürchten bereits eine Deflation. Dafür sprechen unter anderem der fallende Goldpreis in unsicheren Krisenzeiten – und natürlich der rasante Absturz der Ölpreise.«

In einer solchen Situation wird Bargeld gehortet: »Das Gefährliche daran ist, dass Konsumenten, und natürlich auch Unternehmen, in Erwartung fallender Preise die Kaufentscheidungen und Investitionen hinauszögern - ein rationales ökonomisches Verhalten. Wenn die Preise für Güter und die Vermögenspreise kontinuierlich sinken, lohnt es sich, auf Bargeld zu setzen. Schließlich gewinnt es ständig an Kaufkraft.« Klarer kann man es nicht formulieren.

Die Folgerung ist eigentlich fast selbstverständlich: Die Attraktivität des Bargeldes sollte jetzt reduziert werden – nicht durch Verbot oder Bargeld-Abhebungsobergrenzen – sondern durch eine Gebühr auf Bargeld, die sich nach Haltedauer und Betrag richtet, z.B. 6 % pro Jahr bzw. 0,5 % pro Monat. Technisch ist das heutzutage ohne weiteres möglich, es wurde auf dieser Internetseite auch schon mehrfach dargestellt.2

Interessant wäre allenfalls noch eine kurze Erklärung dazu, warum der Goldpreis zwischenzeitlich gefallen ist. Beim Ölpreis sind es klar erhöhte Fördermengen und sinkende Nachfrage, aber beim Gold? Der Goldpreis sinkt im Alllgemeinen dann, wenn es eine Erwartung für steigende Zinsen gibt oder es einen plötzlich steigenden Liquiditätsbedarf anderswo gibt. Momentan ist diese Erklärung einleuchtend.

Dass steigende Zinsen eine Erholung der Wirtschaft aber stark behindern, ist auch klar. Das wäre momentan eine große Gefahr. Jedenfalls ist ein sinkender Goldpreis ein Indiz für bestimmte Erwartungen, er ist nicht ein Resultat realwirtschaftlicher Vorgänge wie beim Erdöl.

Die Haltegebühr auf Bargeld wäre eine wirklich unkonventionelle Maßnahme der EZB, aber ungleich durchgreifender als die jetzigen großen Geschütze alleine.

 

1. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/boerse/corona-wirtschaft-115.html

2. Z.B. https://www.inwo.de/medienkommentare/wir-brauchen-jetzt-eine-bargeldgebuehr-die-gesell-eisler-solution/