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Deutschlands Automarkt bricht ein

Weltweit ist die Zahl verkaufter Autos massiv zurückgegangen. Bedenkt man, dass der Pkw-Verkehr und die Pkw-Herstellung zu den größten Gefahren und Belastungen für das Weltklima zählen, ist diese Entwicklung ein Grund zum Jubeln. Die Schlagzeilen zu diesem Thema jedoch senden eine ganz andere Botschaft: Absturz, Bedrohung, Gefahr und Verlust. Wie lässt sich der Widerspruch auflösen?

»Die Corona-Krise hinterlässt auf dem deutschen Automarkt historische Spuren. Fast ein Fünftel weniger Pkw wurden im vergangenen Jahr zugelassen. Das waren so wenige Autos wie zuletzt vor zehn Jahren.« Steigende Verkaufszahlen bei E-Autos haben auf diese Entwicklung keine nennenswerte Auswirkung. Welche volkswirtschaftlichen Konsequenzen ergeben sich daraus? Ein geringerer Ressourcenverbrauch, weniger klimabelastende Emissionen, weniger Arbeitszeit und eine geringere Kapitalrendite.

Der geringere Bedarf an Arbeitsleistung kann durch eine entsprechende Verkürzung der Wochenarbeitszeit aller Beschäftigten aufgefangen werden. Die geringe Kapitalrendite jedoch hat einen Abzug von Kapital aus diesen Branchen zur Folge. Dieser muss durch die Stilllegung von Standorten oder durch die Aufnahme von Kapital am Kapitalmarkt kompensiert werden. An diesem Punkt wird das Zinsniveau ausschlaggebend. Wenn sich die Notenbank-Zinssätze und die Kapitalmarkt-Zinssätze parallel zur Konjunktur entwickeln, werden Investoren davon absehen, im großen Stil Kapital aus Firmen abziehen, weil sie vorübergehend keine oder eine negative Kapitalrendite erwirtschaften. Werden die Zinsen jedoch durch eine verfehlte Geld- und Fiskalpolitik künstlich hochgehalten, wird im großem Umfang Kapital aus der Wirtschaft abgezogen. Die Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft sind mitunter verheerend.

Es ist deshalb unbedingt notwendig, der spekulativen Geldzurückhaltung mit einer Geld- bzw. Liquiditätsgebühr zu begegnen. Nur eine solche Maßnahme macht es den Notenbanken möglich, die Spanne zwischen kurzfristigen und langfristigem Kreditzinsen ausreichend hochzuhalten, ohne Kapitalmarktzinsen im positiven Bereich zu provozieren. Wirtschaftsbetriebe sollten vorrangig durch ein Null- bzw. Minuszinsniveau für großzügige Überbrückungsdarlehen entlastet werden. Staatliche Investitionsprogramme müssen mit negativ verzinsten Krediten finanziert werden, um die Ansprüche des Finanzkapitals nicht unnötig in die Höhe zu treiben. Anstatt die öffentliche Verschuldung und in der Folge die Zinssätze in die Höhe zu treiben, können Einnahmedefizite durch die Abschöpfung der Bodenrenten ausgeglichen werden. Es ist schließlich nicht notwendig, dass Grundeigentümer trotz Krise Ertrags- und Wertsteigerungen generieren, während alle anderen Akteure Ertragsrückgänge hinnehmen müssen.

Lesen Sie hierzu auch: »Was tun in der kommenden Rezession«, »Grundsteuer: Zeitgemäß!« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.

Klaus Willemsen, 14.01.2021

Verwendete Quellen:

www.dw.com/de/deutschlands-automarkt-bricht-ein/a-56172218

www.inwo.de/medienkommentare/was-tun-in-der-kommenden-rezession/

www.grundsteuerreform.net

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/