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Deutsche Bank-Stratege für effektive Negativzinsen, auch auf Bargeld

Der scharfsinnige Tom Keene hat auf "Bloomberg Surveillance" mal wieder ein interessantes Interview über Negativzinsen geführt: Dominic Konstam, Zinsstratege der Deutschen Bank, rät zu Negativzinsen auf Bargeld und macht deutlich, dass dies nur eine natürliche Entwicklung darstellt.

"Ich bin davon überzeugt, dass es eine Form des ökonomischen Gleichgewichts gibt, welches systemisch negative Zinsen erfordert. Ich möchte behaupten, dass es möglicherweise sogar wichtig ist , auch das Bargeld zu besteuern, wenn wir einen funktionstüchtigen privaten Bankensektor bzw. Finanzsektor behalten wollen", so Konstam Ende Oktober gegenüber Keene.

Zinssteigerungen sind momentan schwierig. Das Problem sei, dass man sich nicht so bald und nicht sehr weit von der Nullzinsgrenze entfernen könne. Es bräuchte nur einen negativen Schock - und schon sei man erneut gezwungen, die Geldpolitik weiter zu lockern. Da mit den anderen außergewöhnlichen Notenbank-Maßnahmen, wie Quantitative Easing, viele Fragen verknüpft seien, würden Negativzinsen schnell wieder auf der Agenda stehen.

"Ich erwarte, dass die Fed zwar die Zinsen ein paar Mal wird anheben und Optimismus wird verbreiten können - doch wenn wir die Produktivität bis jetzt nicht erhöhen konnten, werden wir das auch in der näheren Zukunft nicht schaffen. Wenn es also einen negativen ökonomischen Schock gibt, befinden wir uns in der Rezession." Negativzinsen kämen dann schnell zurück, meint Konstam.

Nachdem der Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, einen Tag zuvor behauptet hatte, Negativzinsen hätten etwas "Unnatürliches" an sich, stellte Dominic Konstam dagegen klar: "Viele Leute würden eher sagen, dass es unnatürlich ist, dass wir Bargeld im System haben, das nicht besteuert werden kann - obwohl dies in der Vergangenheit tatsächlich gemacht wurde: In den 1930er Jahren hat man zum Beispiel in Österreich das Bargeld besteuert." Er spielte damit auf die positiven Erfahrungen mit der Umlaufsicherung in Wörgl an.

"Da ist nichts Unnatürliches an der Vorstellung anormaler Inflation und daran, dass wenn man eine hohe Produktivität und technologischen Fortschritt hat und die Zahl der Erwerbspersonen zugenommen hat, die Preise viel öfter fallen, als dass sie steigen. Wenn wir in einer Welt leben, in der das Nominalwachstum ziemlich stagniert - was nicht unbedingt schlecht ist, sondern einfach bedingt durch die Innovationen im Laufe der Geschichte -, dann kann man argumentieren, dass fallende Preise und negative Zinsen ebenso natürlich sind wie alles andere. Es ergibt dann keinen Sinn, dass es unnatürlich sein sollte."

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Quelle: https://www.bloomberg.com/news/videos/2016-10-26/deutsche-bank-s-konstam-on-making-negative-rates-work

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