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Das Verwirrspiel geht weiter

Die Geldinstitute müssen mittlerweile dafür bezahlen, wenn sie „überschüssiges Geld über Nacht parken“, schreibt die Frankfurter Allgemeine. Der Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret fürchtet, dass diese Kosten in Form von steigenden Gebühren an Privatkunden weitergegeben werden. Leider bleibt die Berichterstattung verwirrend und lückenhaft.

»Die Bundesbank befürchtet, dass Finanzinstitute die Belastungen durch die Niedrigzinsen an ihre Privatkunden weitergeben werden«, titelt faz.net und zitiert A. Dombert: »Wir sehen, dass viele Institute ihre Gebühren bereits erhöht haben oder über solche Erhöhungen nachdenken«. (faz.net 30.3.16) Die Mini-Zinsen im Euro-Raum schmälern die Gewinne der Geldinstitute, weshalb sie versuchen an anderer Stelle, über Gebühren, die Einnahmen zu erhöhen. Dieser Zusammenhang ist durchaus richtig, aber eben nur die halbe Wahrheit. Um die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, ist es notwendig genauer hinzuschauen.

Das Bunkern von Zentralbankgeld verursacht den Geschäftsbanken Kosten. Diese Kosten ließen sich jedoch vermeiden, wenn man wieder auf den Interbankenhandel vertrauen könnte. Hier besteht eine Baustelle für die Geldpolitik.

Ein Gewinnrückgang aus Zinsgeschäften ergibt sich nicht aus der Höhe der Zentralbankzinssätze, sondern aus der viel zu flachen Zinsstruktur. Der Geldmarkt und der Geldhandel können nur optimal funktionieren, wenn es eine spürbare Preisdifferenz zwischen Kurzfristigem und Langfristigem gibt. Und da das weltweite Überangebot an Geldkapital den Preis für sichere kurzfristige Anlagen längst auf null gedrückt hat, muss der Preis für „kurzfristiges Geld“, für Liquidität, negativ sein. Das beruht auf Logik und Mathematik, und nicht auf politischen Entscheidungen.

In dem Beitrag »Der Preis des Geldes - Die neue Welt der Negativzinsen« hat die FAZ diese Entwicklung bereits vor einem Jahr dargestellt: »Eine Bank nach der anderen räumte ein, dass sie Geld dafür verlangt, dass Firmenkunden große Summen bei ihr deponieren. Auch hier nennen die Banken das nicht Strafzinsen – die Commerzbank beispielsweise spricht lieber von ›Guthabengebühren‹«. Leider verhindert ein ideologischer Schleier, den Zusammenhang nüchtern darzustellen.

Es sind die liquiden Geldbestände, die nur mit Risiko und Kosten in langfristige Ausleihungen umgewandelt werden können. Diese, mittlerweile über 4,5 Billionen Euro, verursachen den Geschäftsbanken die problematischen Kosten, die sie derzeit nicht angemessen weitergeben. Bei einer gesunden Zinsstruktur müssten diese Bestände den „Nicht-Anlegern" Kosten von circa 5 % pro Jahr verursachen - und nicht den Vermittlern, den Banken. Mittel und langfristig angelegte Gelder wären von dieser Belastung überhaupt nicht betroffen.

Bei Christian Siedenbiedel entsteht die Verwirrung durch die Verwendung des Begriffes „deponieren“, der im Prinzip richtig ist. Wenn ich mein Werkzeug in einem Lagerhaus deponieren möchte, zahle ich für diesen Zeitraum Lagerkosten. Wenn ich es verleihe, kann ich vom Nutzer einen Mietzins erwarten. Sollte es gerade zu viele Anbieter von Miet-Werkzeug geben, kann dieser Mietzins sehr niedrig ausfallen. Es besteht aber kein Grund, ihn mit den Kosten für eine Einlagerung zu verwechseln. Beim Geld heißt diese Lagerung Hortung und beschreibt, dass das entsprechende Werkzeug = Tauschmittel dem Markt vorenthalten wird. Gegenwärtig verursacht diese Hortung den Geschäftsbanken Kosten und verringert zusätzlich deren Einnahmepotential. Um im Bild zu bleiben: Die Banken lagern immer mehr Werkzeug ein, ohne dafür die angemessenen Lagergebühren verlangen zu können, und haben gleichzeitig immer weniger Werkzeug zur Verfügung, dass sie mit einer angemessenen Gewinnspanne weiterverleihen können.

Christian Siedenbiedel hat auf das Dilemma der Geschäftsbanken hingewiesen: »Dabei gibt es ein einfaches Kalkül: Je leichter es einem Kunden fällt, sein Geld einfach in bar abzuheben und daheim im Tresor zu lagern, desto schwieriger lassen sich ihm negative Zinsen aufdrücken. Außerdem müssen mehrere Banken, die im Wettbewerb stehen, praktisch gleichzeitig negative Zinsen einführen, um keine Massenabwanderung von Kunden zur Konkurrenz zu erleiden.«

Leider traut auch er sich nicht, die richtige Konsequenz auszusprechen: Es ist nicht Aufgabe der Geschäftsbanken, ihren Kunden „negative Zinsen aufzudrücken“. Es ist Aufgabe der Notenbank, durch eine Geldgebühr das spekulative Horten unseres Tauschmittels unattraktiv zu machen. Auch die »gleichzeitige Einführung negativer Zinsen« auf die liquiden Kundengelder kann nur gelingen, wenn sie durch geldpolitische Maßnahmen der Zentralbank begleitet wird.

In seinem faz.net-Beitrag vom 16.02.2015 schrieb Christian Siedenbiedel: »Bleibt die ganz grundlegende Frage: Was ist das eigentlich, was sich da umkehrt, wenn die Zinsen überall negativ werden? Der Zins ist ökonomisch betrachtet nichts anderes als ein Preis.« Ja, Herr Siedenbiedel, und ein Preis sollte sich nach Möglichkeit am Markt bilden. Eine Gebühr zur Vermeidung von Geldhortung dagegen wird von einer Notenbank festgelegt. Diese »Guthabengebühr« kann flexibel gehandhabt werden und bezieht sich auf das Bargeld und auf die zu groß gewordenen Girokonten-Bestände. Mit Enteignung hat dies überhaupt nichts zu tun, da man überflüssige Liquidität jederzeit (für einen bestimmten Zeitraum) verleihen oder ausgeben kann und so einer Liquiditätsgebühr entgeht.

Mit Ihren Worten, Herr Siedenbiedel: »Wie verrückt ist das denn?«

Klaus Willemsen,  31.03.2016

 

Lesen Sie dazu bitte auch:

Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld

Negative Zinsen - was folgt daraus für die Banken?

»Verwahr-Entgelt« oder die Geldgebühr in der Testphase

Migros Bank für Erprobung von Geldhaltegebühren?

 

Verwendete Quellen: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/bundesbank-geht-von-hoeheren-kosten-fuer-bank-kunden-aus-14151685.html

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/geldanlage-trotz-niedrigzinsen/der-preis-des-geldes-die-neue-welt-der-negativzinsen-13429375-p2.html

http://www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/

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