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Das Bargeld-Problem wird volkswirtschaftlich noch nicht verstanden

Schäuble und Draghi haben sich in der aktuellen Debatte um Obergrenzen für Bargeldzahlungen und um die 500-Euro-Scheine zum Sparen mit Hilfe von Bargeld geäußert. Dies geschah in einer Weise, die offenbart, dass sie die fatale volkswirtschaftliche Wirkung der Bargeldhortung nicht im Blick haben.

Quelle: Wikipedia

Die F.A.Z berichtet, dass Schäuble, offenbar in der Absicht, die beunruhigten Bürger zu besänftigen, erklärt habe, es „bleibe die Bargeldhaltung unbegrenzt erlaubt. Es könne überhaupt nicht die Rede davon sein, eine Obergrenze einzuführen, wie viel Bargeld jemand besitzen dürfe.“ Dieselbe Zeitung berichtet am 16. Februar, dass die EZB keine 500-Euro-Scheine mehr drucken wolle und dass der EZB-Präsident Mario Draghi am Montag im Europaparlament auf Nachfrage sagte, dass eine Abschaffung der größten Banknote die Menschen in der Eurozone nicht vom Sparen abhalten würde. „Wenn sie nicht in 500-Euro-Scheinen sparen, dann eben in 200-Euro-Scheinen.“ Beiden Verantwortlichen fehlt offenbar jedes Problembewusstsein.

Als für die Notenbank zuständiger Minister und als EZB-Präsident sollten beide wissen, dass es international anerkannte Wirtschaftswissenschaftler gibt, die das Bargeld gerade deshalb ganz abschaffen wollen, weil es unbeschränkt gehortet werden kann. Die Hortung behindert die Ausweitung von Negativzinsen, wenn die Notenbank die Konjunktur fördern will (Nullzins-Schranke). Der Spielraum der Leitzinspolitik der Notenbanken wird durch die Hortbarkeit des Bargeldes ganz eindeutig begrenzt. Und das ist unter Volkswirten völlig unbestritten. Es ist volkswirtschaftlich schädlich zu sparen, indem man Bargeld zur Seite legt - erst recht in Zeiten negativer Notenbankzinsen.

Wer das Bargeld als Tauschmittel schätzt, sollte es als Wertaufbewahrungsmittel endlich in Frage stellen.

Die Bargeldhortung ist ein Problem für den Spielraum der Notenbanken, die Leitzinsen bei schwacher Konjunktur weit in den negativen Bereich drücken zu können, um mit einer steilen Zinsstrukturkurve die Sparer zur längerfristigen Anlage zu motivieren. Bei Negativzinsen für täglich fällige Einlagen schrumpfen die kurzfristigen und steigen die mittel- und langfristigen Anlagen bei den Banken, weil die Sparer dann umdisponieren und dies es den Banken ermöglicht, mehr mittel- und langfristige Kredite zu vergeben. Das veränderte Anlegerverhalten erspart den Banken die riskante Fristentransformation.

Abschaffen muss man das Bargeld deswegen nicht, sondern es nur mit einer Steuer pro rata temporis der Bargeldhaltung belegen. Das hat Silvio Gesell schon vor 100 Jahren vorgeschlagen. Anerkannte Geldpolitiker in aller Welt zitieren Gesell immer öfter. Wenn die Wertaufbewahrungsfunktion des Bargeldes durch eine Besteuerung in Höhe von 5% pro Jahr spürbar eingeschränkt wird, brauchen wir keine Verbote, Bargeld zu halten. Wir brauchen dann erst recht keine Abschaffung des Bargelds oder großer Geldscheine. Jeder Sparer entscheidet dann selbst, ob ihm die steuerliche Last der Bargeldhortung zu hoch ist oder nicht. Die rechtlich weiterhin erlaubte Bargeldhortung wird zum verlustreichen Ausnahmefall, der makroökonomisch vernachlässigt werden kann.

Die unbeschränkte Bargeldhaltung privater Haushalte und Unternehmen stört die Geldmengenpolitik der Notenbanken. Die von den Notenbanken ausgegebene Geldmenge sollte in vollem Umfang nachfragewirksam und nicht teilweise aufgrund privater Einzelentscheidungen stillgelegt sein. Wer sein Geld aktuell nicht braucht, kann es mittel- oder langfristig bei einer Bank seines Vertrauens anlegen. Dafür bekommt er dann Zinsen, die den Knappheitswert des Kapitals widerspiegeln. Wenn Kapital für die mittlere und lange Frist reichlicher bereitsteht, kommen die Unternehmen an noch günstigere Kredite, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

Der Erfolg der marktwirtschaftlichen Ordnung beruht darauf, dass die Politik die Einzelinteressen durch sorgfältig gesetzte Rahmenbedingungen so beeinflusst, dass sie den gesamtwirtschaftlichen Interessen grundsätzlich gleichgerichtet werden.

Eckhard Behrens, 16.02.2016

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Verwendete Quellen:

"Bundesbank sorgt sich vor Verlust an Freiheit", in: F.A.Z. vom 10.02.2016, Wirtschaft, S. 15

"EZB will keine 500-Euro-Scheine mehr drucken", in: F.A.Z. vom 16.02.2016, Wirtschaft, S. 15

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