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Christian Ude rechnet mit den Griechen ab

Im Interview der Augsburger Allgemeinen mit Josef Karg rechnen Sie, Herr Ude, als Griechenland-Freund mit den Griechen ab. Das Interview ist das Beste, was seit langem zum Thema zu lesen ist. Bitte erlauben Sie mir dennoch ein paar Nachfragen zur Präzisierung Ihrer Analyse.

Herr Ude, Sie sagen: »Die Banken sind Risiken eingegangen, die sie normalerweise weder bei einem Häuslebauer noch einem mittelständischen Unternehmer eingehen«.

Ist es nicht eher so, dass die Banker durchaus darauf spekulieren konnten, dass es ihnen am Ende gelingen wird, staatliche Rettungsgelder zu erzwingen?

Christian Ude weiter: »Griechenland indessen hat so lange von der EU-Geldschwemme und den schier unbegrenzten Kreditmöglichkeiten profitiert, dass man das geliehene Geld bereits für wohlverdientes Geld gehalten hat und Anstrengungen gegenüber immer ablehnender wurde«.

Diese Einschätzung ist absolut nachvollziehbar. Muss man aber nicht deutlicher die Allianz zwischen denen hervorheben, die für ihre Milliarden Schuldner brauchten, denen sie Zinszahlungen in Rechnung stellen konnten, und denen, die sich dieses Geld leichtfertig ausleihen konnten? „Die Griechen“ wie auch „die EU-Bürger“ wurden mit Hilfe eines unmoralischen Systems als Steuerzahler - sowohl in Deutschland als auch in Griechenland - letztlich über den Tisch gezogen. Dieses System besteht im Kern aus den Milliarden an Zinszahlungen, die Geldanleger über Jahrzehnte hinweg (Sie erwähnen dies) bezogen haben und weiterhin beziehen. Ist es nicht an der Zeit, dieses Zinssystem infrage zu stellen?

Ihre wohl ketzerischste Formulierung lautet: »Und wenn es zum Grexit kommt, werden die reichen und superreichen Griechen, die ihre Millionen längst ins Ausland gebracht haben, in Griechenland den Notleidenden für einen Apfel und ein Ei abluchsen können, was bis gestern noch deren Lebensgrundlage war: Grundstücke oder deren Häuschen. Dann wird auf entsetzliche Weise deutlich werden, dass die Regierung Tsipras die Regierung der Reichen und Superreichen war«.

Dem ist in seiner Klarheit kaum etwas hinzuzufügen; außer: Dergleichen geschieht täglich weltweit. Vermeintlich linke Regierungen weisen mittellosen beziehungsweise landlosen Menschen Bodenbesitz zu, der ihnen in der nächsten Notlage von Spekulanten wieder weggenommen wird. Dies geschieht in Afrika, Südamerika, Europa und den USA und es geschieht seit Jahrhunderten. Um sich dem entgegenzustellen, hat die Sozialdemokratie vor 100 Jahren das Genossenschaftswesen und Bodenreform-Ideen propagiert. Würden Sie diese Ideen heute neu beleben?

Klaus Willemsen, 21.7.2015

Verwendete Quelle:
www.augsburger-allgemeine.de/politik/Interview-Christian-Ude-rechnet-mit-den-Griechen-ab-id34634997.html

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