• DE

»Aufbruch in die Minus-Welt«

Die Genossenschaftsbanken bereiten sich endlich auf die Weitergabe von Negativzinsen an die privaten Kontoinhaber vor. Ein längst überfälliger und dringend notwendiger Schritt, den das Handelsblatt leider mit der altbekannten, längst überholten Demagogie kommentiert: »Die Dummen sind die Kunden«.

Circa 6.000.000.000.000 € (6 Billionen Euro) „gammeln“ mittlerweile auf Tagesgeldkonten deutscher Banken herum. Sie taugen nicht wirklich für langfristige Ausleihungen, weil ihre privaten Besitzer im Ernstfall täglich darauf zugreifen könnten. Sie belasten die Bilanzen der Geschäftsbanken, weil die EZB längst erkannt hat, dass Geldhortung Kosten verursachen muss. Und sie sind mittlerweile eine gewaltige Bedrohung für die Währungsstabilität, weil die Notenbank die Unterbrechung des Geldkreislaufes durch eine permanente Ausweitung der Geldmenge zu kompensieren bemüht ist.

Minuszinsen sind Kosten für die spekulative Geldhortung. Nach dem Verursacherprinzip sollten sie von jenen getragen werden, die sie verursachen. Erst ganz langsam kommt diese Erkenntnis auch im Kreis der privaten Banker an: »Bei der Tagung von Internationalem Währungsfonds, Weltbank und Weltbankenverband IIF Mitte Oktober vertraten viele deutsche Spitzenmanager die Auffassung, dass man um die Weitergabe von Negativzinsen auf mittlere Sicht nicht herumkommen werde. Banken könnten es sich angesichts des Zinsumfelds schlicht nicht leisten, Kunden dauerhaft vor Negativzinsen abzuschirmen, sagte ein Bankvorstand dem Handelsblatt«. Es wäre an dieser Stelle die Sache der Handelsblatt Redaktion, dem Leser zu erklären, warum dieser Schritt gesellschaftlich notwendig und sinnvoll ist. Doch leider fehlt bei den Autoren Elisabeth Atzler, Andreas Kröner, Yasmin Osman und Frank Matthias Drost selbst jeder Hinweis darauf, welche katastrophalen Folgen der Geldstreik in der Geschichte der Menschheit hatte. Es fehlt ein Hinweis, dass man den Minuszinsen entgeht, wenn man sein Tagesgeld in längerfristige Ausleihungen umwandelt. Und es fehlen Hinweise auf die gesellschaftlichen und ökonomischen Vorteile, die auch die privaten Geldhorter durch eine stabile Währung mit Zinsen um 0 % haben.

»Effektivere Negativzinsen werden dringend benötigt«, schreibt Beate Bockting noch im Juli 2019, doch die Banken geben »den negativen Zinssatz, den sie für die Reserven der EZB zahlen, noch nicht vollständig weiter, vor allem nicht an Privatkunden«. Das soll sich nun laut Handelsblatt ändern: »Ein Strategiepapier zeigt, wie intensiv sich selbst die Volksbanken darauf vorbereiten, Minuszinsen von Privatkunden zu erheben. … Darin analysiert der Verband auf 60 Seiten die Rechtslage zum Thema Minuszins und gibt Kommunikationstipps, wie man die Kunden auf Strafzinsen vorbereiten könnte.« Endlich, möchte man seufzen.

Lesen Sie dazu bitte auch: »Effektivere Negativzinsen werden dringend benötigt«, »Der Kleinsparer wird nicht durch die Einführung von Negativzinsen betrogen, sondern dadurch, dass es keine gibt« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.

Klaus Willemsen, 29.10.2019

Verwendete Quellen:

www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/volks-und-raiffeisenbanken-aufbruch-in-die-minus-welt-genossen-geben-sich-anleitung-fuer-negativzinsen/25162668.html

www.inwo.de/medienkommentare/effektivere-negativzinsen-werden-dringend-benoetigt/

www.inwo.de/medienkommentare/der-kleinsparer-wird-nicht-durch-die-einfuehrung-von-negativzinsen-betrogen-sondern-dadurch-dass-es-keine-gibt/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/

Kommentare und Antworten

Einen Kommentar hinzufügen

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

* Diese Felder sind erforderlich.