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Arbeitslosenquote auf Rekordtief

Seit zehn Jahren sinkt die Zahl der erwerbslosen Menschen in Deutschland ununterbrochen. Wirtschaft, Verbraucher und öffentliche Kassen wurden und werden seither von vielen hundert Milliarden Euro an Zinskosten entlastet. Kosten, die heute für Löhne und steigende Renten zur Verfügung stehen. Eine Entwicklung, die den Kapitaleignern ein Dorn im Auge ist.

Niedrige Zinsen senken die Insolvenzquote und schaffen Spielraum für zusätzliche Investitionen und höhere Personalausgaben. Sie ermöglichen soziale Gerechtigkeit und eine stabile wirtschaftliche Entwicklung. Der Ökonom Marcel Fratzscher schreibt dazu: »Der Wirtschaftsboom in Deutschland hat Millionen neuer Jobs geschaffen und Lohnsteigerungen ermöglicht, die ohne die Geldpolitik nicht möglich gewesen wären.« Die oft zitierte Behauptung, »die EZB-Geldpolitik erhöht die Ungleichheit und schadet den Armen«, ist ein Mythos und schlicht und faktisch falsch. »40 Prozent der Deutschen haben praktisch kein Erspartes und viele Jobs und Einkommen wurden durch die niedrigen Zinsen geschützt. Ein verfrühter Zinsanstieg würde vor allem diese Jobs und Einkommen gefährden.« Fratzscher leitet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und ist Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität Berlin. Seine deutlichen Worte zu den Vorteilen einer Niedrigzinspolitik sind in der Presselandschaft und in der Mainstream-Ökonomie allerdings extrem selten.

Täglich und beinahe flächendeckend dagegen liest man die Polemik der Finanzlobbyisten. Ihr Frontmann Gabor Steingart verfälscht positive Entwicklungen mit angeblichen »Fakten« im Stil von Orwell und Huxley. Die sinkende Umverteilung von den Arbeitenden zu den Besitzenden und die Entlastung der deutschen Wirtschaft verdreht er zum »Zinsschaden der deutschen Sparer«. Im Sinne von Orwells »gesäuberter Sprache« schreibt Steingart ungeniert von »Strafzinsen«, »Strafzahlungen«, von der »vorsätzlichen Bestrafung von Fleiß und Sparsamkeit« und behauptet, »der Sparer leidet«. Mit einem Feuerwerk der Demagogie erzeugt er den Eindruck, dass die marktwirtschaftlich wie ökologisch folgerichtige Zinsentwicklung eine Verschwörung gegen die Menschen sei, die sich selbst George Orwell und Jules Verne nicht hätten ausdenken können: »Nur auf die Idee, eine Welt zu erfinden, in der die Besitzer von Geld wie Aussätzige behandelt werden, ist niemandem gekommen. Zu absurd schien der Gedanke, sie mit einer Strafzahlung zu züchtigen, um ihnen die bürgerlichen Tugenden, als da wären Fleiß und Sparsamkeit, auszutreiben.«

Wofür kämpft die Kapitallobby?

»Die Zahl der Arbeitslosen ist laut Bundesagentur für Arbeit im November leicht auf 2,18 Millionen gefallen - das entspricht einer Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent. Damit bleibt das Klima auf dem Arbeitsmarkt trotz wachsender Konjunktursorgen gut.« Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache. »Die Arbeitslosenquote in Ostdeutschland war lange Zeit doppelt so hoch wie in Westdeutschland.« (statista) Diese Quoten haben sich in den letzten 10 Jahren immer weiter angenähert. »2019 trennt beide Länder noch eine Differenz von 1,9 Prozentpunkten. Kurz nach der Jahrtausendwende lag die Differenz noch bei über 10 Prozentpunkten.« Anhaltend niedrige Zinssätze erzeugen immer mehr wirtschaftlichen Wettbewerb und führen in die Vollbeschäftigung. Beide Entwicklungen drücken damit zusätzlich auf die Kapitalrenditen. Für die leistungslosen Einkommen Reicher und Superreicher und deren Vermögensverwalter sind das keine schönen Aussichten. Folgerichtig wird immer mehr Geld eingesetzt, um die Propaganda gegen diese »antikapitalistische« Geldpolitik zu organisieren.

Lesen Sie dazu bitte auch: »Der Kleinsparer wird nicht durch die Einführung von Negativzinsen betrogen, sondern dadurch, dass es keine gibt«, »effektivere Negativzinsen werden dringend benötigt« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.

Klaus Willemsen, 3.12.2019

Verwendete Quellen:

www.focus.de/finanzen/boerse/experten/gastbeitrag-von-diw-chef-fratzscher-top-oekonom-raeumt-mit-vorurteilen-auf-20-deutsche-mythen-zu-ezb-geldpolitik_id_11388947.html

https://de.statista.com/infografik/19504/arbeitslosenquote-in-west--und-ostdeutschland/

www.gaborsteingart.com/newsletter-morning-briefing/cdu-general-ziemiak-fordert-revision-der-ezb-politik/

https://www.inwo.de/medienkommentare/effektivere-negativzinsen-werden-dringend-benoetigt/

www.inwo.de/medienkommentare/der-kleinsparer-wird-nicht-durch-die-einfuehrung-von-negativzinsen-betrogen-sondern-dadurch-dass-es-keine-gibt/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/

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