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Rebecca Link: Querdenkerin mit Scheuklappen

»Die nächste Bankenkrise kommt bestimmt«, überschreibt die oft kritische Journalistin Rebecca Link ihr Interview mit dem Ökonomen Thomas Mayer. Doch auch sie flötet das überkommene Mantra: Wachstum, Wachstum über alles! Keine kritische Frage danach, wie man auch mit geringerer Wirtschaftsleistung Wohlstand sichern kann.

Das Meinungsmagazin Politikum im WDR-Hörfunk zeichnet sich dadurch aus, dass Denkblockaden und Dogmen oft frech und kritisch hinterfragt werden. Nicht so jedoch beim Thema Wirtschaftswachstum. Unsere Wirtschaftsleistung ist heute fast 50 Prozent höher als 1991 - bei etwa gleicher Bevölkerung. Die Vermögenswerte haben sich weit mehr als verdoppelt. Es herrscht annähernd Vollbeschäftigung. Doch Frau Link und ihr Interviewpartner reden von »Abschwung«, »Rezession« und »Sinkflug«. Es sei nicht so dramatisch, sagt Mayer, dass er den Chrash prognostizieren möchte. Doch »die Wirtschaft ist außer Puste. (…) Sie hängt an der Droge der Niedrigzinsen der Zentralbanken«. »Aus Sicht des Ökonomen Thomas Mayer gibt es erheblichen Grund zur Sorge. Der Aufschwung gehe zur Neige und das Bankensystem ist fragil«, heißt es auf der WDR-Homepage.

Wir produzieren heute fast 50 Prozent mehr als vor 30 Jahren, doch die Hälfte der Bevölkerung bekommt davon nichts ab. Über 70 Prozent unserer Wirtschaftsleistung mangelt es an Sinnhaftigkeit und schädigt das Weltklima ebenso wie die Lebensqualität der meisten Menschen. Doch kein Wort davon, wie man Wohlstand bei sinkenden Wachstumsraten angemessen verteilen könnte. Die Geldvermögen sind buchstäblich in den Himmel gewachsen, doch Herr Mayer darf unwidersprochen über die niedrigen Zinsen jammern.

Längst ist auch bei Frau Link, Herrn Malotki und ihren Kollegen die Erkenntnis gereift, dass eine weitere Verdoppelung der weltweiten Wirtschaftsleistung für unseren Planeten nur mit schrecklichen Konsequenzen zu verkraften ist. Und es ist sicherlich auch Konsens, dass ein Weiterso mit ordentlich Wirtschaftswachstum auf Dauer unsere Lebensgrundlagen zerstören wird. Warum aber wird diese Selbstverständlichkeit in Interviews mit Ökonomen und Finanzleuten schlicht ausgeblendet? Braucht die Redaktion Scheuklappen, um bei dem Gedanken an eine Wohlstandsgesellschaft mit sinkender Wirtschaftsleistung nicht nervös zu werden?

»Die nächste Bankenkrise kommt bestimmt«, Frau Link. Sie kommt aber nicht wegen zu niedriger Zinsen, sondern weil es den Notenbanken noch nicht gelungen ist, den Geldmarktzins an die Notwendigkeiten einer übersättigten Konjunktur anzupassen. Was wir als bundesdeutsche Wohlstandsgesellschaft brauchen, sind das Abschmelzen der übergroßen Geldvermögen durch Negativzinsen und eine gerechte Verteilung der volkswirtschaftlichen Leistung. Wenn das bereits vorhandene und das täglich neu erzeugte Vermögen gleichmäßiger verteilt werden, schafft das Sicherheit und Wohlstand für alle Menschen, selbst dann, wenn man die durchschnittliche Wochenarbeitszeit deutlich reduziert.

Ihr Gesprächspartner Thomas Mayer gehört selbst zu den von ihm skizzierten »Mikadospielern«, die davon träumen, mit Wirtschaftswachstum und hohen Zinsen zurück ins letzte Jahrhundert zu gelangen. Wachstum, Wachstum über alles! - und bloß nicht darüber nachdenken, welche Alternative wir haben.

Lesen Sie dazu bitte auch: »Effektivere Negativzinsen werden dringend benötigt«, »Motor des Wachstums sind die börsennotierten Aktiengesellschaften« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.

 

Klaus Willemsen, 19.11.2019

 

Verwendete Quellen:

www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/politikum/sendeterminseiten/politikum-1468.html

https://www.inwo.de/medienkommentare/effektivere-negativzinsen-werden-dringend-benoetigt/

www.inwo.de/medienkommentare/motor-des-wachstums-sind-die-boersennotierten-aktiengesellschaften/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/

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