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Klimaaktivistin Greta Thunberg

… kritisiert die Bedeutung von Geld und Wachstum in unserer Gesellschaft. Diese präzise Zuspitzung der Situation ist jedoch selbst für wohlwollende Erwachsene so tabuisiert, dass sie nicht in der Lage sind, die Bedeutung der Aussage zu erfassen.

Die Bildungsdezernentin der ev. Landeskirche, Oberlandeskirchenrätin Prof. Dr. Gudrun Neebe, äußert sich in einem Interview zum Engagement von Greta Thunberg und den Aktivitäten der Landeskirche für den Klimaschutz. »Wir müssen raus aus der Komfortzone und auch unbequeme Entscheidungen fällen und vertreten«, fordert die Bildungsdezernentin. Frau Neebe ist voll des Lobes über Greta Thunbergs Äußerungen, hat aber deren Bedeutung und Tragweite überhaupt nicht erkannt.

Der Redakteur Christian Küster bringt Thunbergs Kritik auf den Punkt, doch die Bildungsdezernentin antwortet am Kern der Kritik vorbei. »Beim Weltwirtschaftsforum in Davos merkte Thunberg kritisch in einer Diskussionsrunde an, dass es - wie überall - nur ums Geld ginge: ›Es hat den Anschein, dass Geld und Wachstum unsere einzige Sinnerfüllung sind.‹ Was kann die Kirche tun, um dem Klimaschutz im öffentlichen Diskurs lauter Gehör zu verschaffen?«

In einer Ökonomie, die permanentes Wirtschaftswachstum regelrecht erzwingt, haben Nachhaltigkeit und die Bewahrung der Schöpfung letztlich keine Chance. Prozentuales Wachstum hat zwingend eine Verdoppelung der Größe in einem bestimmten Zeitraum zur Folge. Unsere Produktion, unsere Geldanlagen und viele andere gesellschaftliche Parameter verlangen dieses Wachstum. Greta Thunberg hat in der Schule gelernt, dass exponentielles Wachstum, egal ob 1,5 %, 3 % oder 6 %, zwingend eine zerstörerische Dynamik auslöst. Helmut Creutz hat dies vor 30 Jahren in seinem Hauptwerk »Das Geldsyndrom« sehr anschaulich beschrieben und nicht zuletzt auch immer wieder den führenden Ökonomen der evangelischen Kirche vermittelt.

Klimaschutz, wie ihn die sechzehnjährige Greta Thunberg einfordert, verlangt ökonomische Antworten auf den derzeitigen Wachstumszwang, der durch unsere Geld- und Bodenordnung erzeugt wird. Die Ausblendung der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten ist ein Schlag ins Gesicht dieses schlauen Mädchens und aller zukünftigen Generationen. Das Religionspädagogische Institut der EKKW und EKHN hat unter dem Titel »Von Greta lernen?!« aktuelles Unterrichtsmaterial zum Klimafasten entwickelt. Der Respekt vor der Schülerin würde jedoch eine Auseinandersetzung mit den ökonomischen Zusammenhängen verlangen, wie sie seit Silvio Gesell und Helmut Creutz zur Verfügung stehen.

Äußerungen wie »bei allen Bauvorhaben ist Klimaschutz ein wichtiges Thema: Dämmen, selbst Energie sparen oder auch erzeugen, Heizung austauschen, auf das Fahrrad umsteigen, bewusst Essen und einkaufen etc.« sind vor dem Hintergrund des weltweiten Wirtschaftswachstums reines Blabla. Greta Thunberg weiß das sehr genau. Die Vereinnahmung durch Personen wie Oberlandeskirchenrätin Prof. Dr. Gudrun Neebe ist Teil ihrer Verzweiflung.

Lesen Sie dazu auch »Wohlstand ohne Wachstum«, »Mythos grünes Wachstum« und »Wer Wachstum fordert wird TTIP ernten«.

Klaus Willemsen, 21.2.2019

Verwendete Quellen:

www.ekkw.de/aktuell_26823.htm

helmut-creutz.de

www.inwo.de/medienkommentare/wohlstand-ohne-wachstum/

www.inwo.de/medienkommentare/mythos-gruenes-wachstum/

www.inwo.de/medienkommentare/wer-wachstum-fordert-wird-ttip-ernten/

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