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Was tun in der kommenden Rezession?

2019 könnte uns der Beginn einer neuen Wirtschaftskrise bevorstehen. Mit den gewagten US-Zinsanhebungen, dem Ende der Netto-Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank und möglichen politischen Turbulenzen sind einige Krisenkatalysatoren präsent. Vor diesem drohenden Rezessions-Szenario warnt Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff vor einer "gefährlich naiven" Abhängigkeit der Verantwortlichen von antizyklischer Fiskalpolitik.

Wenig Spielraum bleibt den meisten Zentralbanken in den entwickelten Volkswirtschaften, um eine kommende Rezession mit Zinssenkungen zu bekämpfen. Die Leitzinsen liegen nahe null, selbst die Federal Reserve hat es bislang trotz starker Konjunktur nur knapp über 2% geschafft.

"Die beste Idee ist die, ein Umfeld zu schaffen, in dem Negativzinspolitik umfassender und effektiver eingesetzt werden kann"

meint Kenneth Rogoff und glaubt, dass dies auch am Ende so sein wird ... doch in der Zwischenzeit sieht er falsche Hoffnungen und Ignoranz bei den Verantwortlichen. Zwar gibt es eine Menge kreativer Vorschläge, die allerdings meist überschätzt werden.

Eine Rezession kann schnell eintreffen, wie das schrumpfende Bruttoinlandsprodukt Deutschlands im dritten Quartal 2018 zeigt - doch fiskalische Maßnahmen brauchen, selbst wenn es gut läuft, einige Monate Zeit, bis sie überhaupt realisiert werden können. Ganz zu schweigen von der herrschenden politischen Volatilität, die Umsetzungen meist noch erschwert. Dann gibt es zwischen den Parteien (insbesondere zwischen Demokraten und Republikanern in den USA) große Meinungsunterschiede, welche staatlichen Programme überhaupt wünschenswert sind. Notwendige Infrastrukturprojekte und Bildungsoffensiven scheitern an der schwerfälligen Umsetzung. In Deutschland werden schon jetzt bereitstehende Gelder nicht genutzt, weil es an Fachkräften mangelt und langwierige Prozesse durchlaufen werden müssen.

Auf "automatische Stabilisatoren" wie höhere Ausgaben für Arbeitslose zu setzen, die die Binnenkonjunktur im Krisenfall stützen sollen, ist ebenfalls sehr kurz gedacht. Kreativer sind da schon Vorschläge wie "Helikopter-Geld" oder (gezielter) "Dronen-Geld" - doch wenn schon den Regierungen das Gelddrucken (zumindest in Europa) verboten ist, wollen wir den Zentralbanken solche wirtschaftspolitischen Maßnahmen überlassen?

Und nicht zuletzt sollten die vielen Befürworter eines höheren Inflationsziels angesichts der vielen negativen Effekte dieses Vorschlags neben dem dadurch ausgelösten gänzlichen Vertrauensverlust in die Geldpolitik der letzten Jahrzehnte zur Vernunft kommen.

Rogoff kommt ganz richtig zu dem Schluss:

"Zentralbanker, die sich ernsthaft auf zukünftige Rezessionen vorbereiten, sollten sich ganz genau jene Vorschläge anschauen, die sich damit befassen, wie Zins auf Geld erhoben werden kann, sowohl im positiven wie im negativen Bereich, was bei weitem die eleganteste Methode ist. Es ist höchste Zeit, die Instrumente der Zentralbanken zu verbessern. Übermäßiges Vertrauen in antizyklische Fiskalpolitik wird in diesem Jahrhundert nicht besser wirken als im letzten."

Quelle: Kenneth Rogoff: "How will central bankers cope when the next recession comes?" im Guardian, online am 7. Januar 2019.

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