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Banken gegen Negativ-Zinsen

Wieder einmal beklagt der Bundesverband deutscher Banken die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Man würde gegenüber den US-Banken massiv benachteiligt. Die Vorteile bleiben unerwähnt. Eine notwendige Optimierung der EZB-Maßnahmen wird nicht gefordert.

Die Wettbewerbssituation zwischen Banken in Europa und den USA scheint aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. »Europäische Banken müssten jährlich schon 7,5 Milliarden Euro an Strafzinsen an die EZB entrichten. Die US-Notenbank habe diese zu keiner Zeit erhoben und 2017 sogar rund 26 Mrd. Dollar an Zinsen auf Reserven gezahlt«, schreibt die Nordwest Zeitung mit Verweis auf den Verbandspräsidenten Hans-Walter Peters. Doch es geht Peters nur vordergründig um den Wettbewerb. 30 Mrd. Dollar sind im internationalen Finanz-Monopoly lediglich »Peanuts«. Die Bankenlobby jammert, weil man die Geschäftsmodelle noch immer nicht an das niedrige Zinsniveau angepasst hat. Dabei bringt das niedrige Zinsniveau den Banken handfeste Vorteile: eine extrem niedrige Insolvenzrate mit geringen Ausfallkosten, eine anhaltende Hochkonjunktur durch die geringere Kapitalbelastung der Wirtschaft und eine positive Konjunkturentwicklung durch den Abbau der Massenarbeitslosigkeit.

All dies wäre mit einem Anstieg der Zinsen und der Inflationsrate sehr bald zu Ende. Dennoch lauten die Schlagzeilen: »Der Banken-Bundesverband hat die Europäische Zentralbank zu einem Ende der Negativzinsen aufgefordert«. Damit fordert der Verband in klassischer Weise, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Die Probleme der Banken resultieren nämlich zum einen daraus, dass sie die volkswirtschaftlich sinnvollen Gebühren nicht an die Verursacher durchreichen können und zum anderen daraus, dass eben deshalb die volkswirtschaftlich notwendige steigende Zinsstrukturkurve nicht gewährleistet werden kann. Wenn Verbandspräsident Hans-Walter Peters klagt: »Die lange Phase der Negativzinsen macht echte Probleme«, ist tatsächlich gemeint, dass die seit Jahren anhaltende extrem flache Zinsstruktur Probleme verursacht.

Um das volkswirtschaftlich segensreiche, niedrige Zinsniveau langfristig durchzuhalten, braucht es entsprechend hohe Gebühren auf Liquidität. Diese dürfen aber nicht, wie derzeit, bei den Banken hängenbleiben. Geld- und Liquiditätsgebühren müssen den Geldhaltern als Kosten entstehen. Dies würde zum Abbau der auf mehrere Billionen Euro angewachsenen Geldhorte führen und damit das Kreditgeschäft der Banken beleben.

Lesen Sie dazu auch »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«, »Handelsblatt-Bericht verzichtet auf Ideologisierung von Guthabengebühren« und »Warum Zinsen unter null weder ungerecht noch unnatürlich sind«.

Klaus Willemsen, 17.10.2018

Verwendete Quellen:

www.nwzonline.de/wirtschaft/nusa-dua-banken-gegen_a_50,2,3387781128.html

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/

www.inwo.de/medienkommentare/handelsblatt-bericht-verzichtet-auf-ideologisierung-von-guthabengebuehren/

www.inwo.de/medienkommentare/warum-zinsen-unter-null-weder-ungerecht-noch-unnatuerlich-sind/

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