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(Boden-)Reichtum ist tabu

Die Vermögen der Reichen wachsen und wachsen. Insbesondere die Bodenpreise steigen unaufhaltsam an. Mancherorts hat sich der Wert des Bodens in zehn Jahren verdoppelt, ohne dass die Grundsteuer nennenswert angehoben wurde.

 

Der Wert des Bodens steigt und treibt die Hauspreise (© Thorben Wengert / pixelio.de)

olitiker der derzeit in Deutschland mitregierenden Parteien verweigern die Diskussion um eine angemessene Besteuerung der Immobilienvermögen und zeigen sich verwundert, dass sich immer mehr Bürger von ihnen abwenden.

»Die Menschen in Deutschland werden dank des Immobilienbooms reicher«, schreibt RP-online.[1] In Düsseldorf sind die Bodenpreise förmlich explodiert und dennoch zahlt ein Hausbesitzer für die Grundsteuer weniger als für Straßenreinigung und Müllentsorgung. Selbst Grundstücksspekulanten brauchen den Fiskus nicht zu fürchten.

Auch sozial und ökologisch engagierte Politiker sprechen nicht über eine angemessene Heranziehung der Immobilienwerte zur Finanzierung der öffentlichen Ausgaben. Mitunter muss die Witwe mit ihrer Minirente herhalten, um die Milliardengeschäfte der Oligarchie steuerfrei zu halten.

 

Massive Wettbewerbsverzerrungen ...

Dabei geht es bei der Kritik an der weitgehenden Steuerbefreiung des Bodens nicht mehr um eine Sozialneid-Debatte der Habenichtse. Die Wettbewerbsverzerrungen und die Ungerechtigkeiten, die sich aus den Bodenvermögen ergeben, treffen die sozial Schwachen, alle arbeitenden Menschen und den Mittelstand gleichermaßen. Und die Auswirkungen werden immer schmerzlicher und gewaltiger.

»Angetrieben wurde die Entwicklung in Deutschland, aber auch in anderen Teilen der Welt vor allem von steigenden Immobilienpreisen. Aktien fielen als Wachstumstreiber aus, Wechselkursentwicklungen schlugen zum Teil negativ zu Buche.« RP-online, die Hannoversche Allgemeine Zeitung und andere verweisen auf die Studie »Global Wealth Report« der Schweizer Großbank Crédit Suisse.[2] Der Boden ist der Vermögensbringer.

 

... durch ungleiche Bodenverteilung

Die Vermögensungleichheit steigt weltweit an. Und wer viel hat, kauft Boden. Wer nichts hat, zahlt immer höhere Mieten und Pachten. Die Politik macht die Augen zu und schaut weg. »In der amtlichen Statistik werden die Bodeneinkommen nicht gesondert ausgewiesen – Boden spielt nach wie vor in der herrschenden Ökonomie eine untergeordnete Rolle«, schreibt Dirk Löhr dazu in seinem Blog rent-grabbing.com. Dabei ist der Boden kein scheues Reh, das vor dem Fiskus fliehen würde. Er kann gar nicht weglaufen.

Es ist an der Zeit, diese gesellschaftliche Ressource ans Tageslicht zu ziehen und kritisch zu beleuchten. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie unter Aktuelles > Medienkommentare auf www.INWO.de, hier zum Beispiel die Beiträge »Eine Grundsteuerreform – viele vertane Chancen« und »Aus Grundsteuer muss reine Bodensteuer werden«.

 

Klaus Willemsen, Autor von »Das Märchen vom guten Zins«, ist freier Referent der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung e.V. Seine aktuellen Kommentare zu Wirtschaft und Medien finden Sie hier: www.INWO.de/medienkommentare/

 

Dieser Beitrag erschien in der Fairconomy 4/2016

 

[1] www.rp-online.de/wirtschaft/finanzen/global-wealth-report-2016-16-millionen-dollar-millionaere-leben-in deutschland-aid-1.6413857

[2] www.credit-suisse.com/ch/de/about-us/research/research-institute/news-and-videos/articles/news-and expertise/2016/11/de/the-global-wealth-report-2016.html