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Negativzinsen ermöglichen eine Wirtschaft ohne Wachstum

Hohe Wachstumsraten sind in der „entwickelten“ Welt passé. Die Wirtschaft mit einer dauerhaften Niedrigzinspolitik in Schwung zu halten, scheitert derzeit an einem Phänomen der Geldpolitik; in der Fachsprache der Zero Lower Bound genannt. Vorteile einer weiteren Leitzinssenkung werden gegenwärtig durch Bargeldhortung verhindert.

Inzwischen schätzen Ökonomen das potentielle Wachstum in der Eurozone auf unter ein Prozent. Statt weiterhin ein Wachstum zu beschwören, das nicht mehr kommen wird und aus ökologischen Gründen auch nicht mehr kommen sollte, könnten wir unser Geldsystem an die Situation anpassen. Dazu ist es notwendig, den Zero Lower Bound zu durchbrechen. Zukunftsweisende Top-Ökonomen und Notenbanker haben sich am 18. Mai in London zur Konferenz „Removing the Zero Lower Bound on Interest Rates“ getroffen, um die Möglichkeiten hierfür zu erörtern. 

Weitere Schritte auf dem Weg zu unserem Ziel

Mit ihrer Entscheidung vom 5. Juni 2014, erstmals einen negativen Einlagenzins (der Geschäftsbanken bei der EZB) von minus 0,1% einzuführen, hat die Europäische Zentralbank (EZB) den richtigen Weg eingeschlagen. Die weitere Senkung des Einlagenzinses auf mittlerweile minus 0,4% war prinzipiell gut, doch es kommt jetzt darauf an, noch weiter in diese Richtung zu gehen und endlich das Bargeld durch eine Bargeldgebühr miteinzubeziehen.

Erst die geldpolitischen Forderungen der INWO schaffen die Grundlage für eine verteilungsneutrale Währung, die auch bei Wachstumsraten und Guthabenzinssätzen um null optimal funktioniert.

Im aktuellen Kampf gegen die Deflation erweitert die EZB die Geldmenge massiv. Die Leitzinsen kann sie unter den jetzigen Bedingungen kaum noch weiter senken, da sonst eine "Flucht" in die Bargeldhaltung einsetzen würde. Die sog. Nullzinsgrenze (Zero Lower Bound) schränkt die Handlungsfähigkeit der Zentralbank folgenreich ein. Die für eine stabile Währung gebotene Zinsspanne wird geopfert und ein enormes Inflationspotential aufgetürmt.

Um dieses Inflationspotential abzubauen und einer möglichen Deflation wirkungsvoll vorzubeugen, müssen die auf mittlerweile rund 5 Billionen Euro angeschwollenen liquiden Mittel über Konsum oder Kreditvergabe abgeschmolzen werden. Dies wird durch Kosten für das Zurückhalten von Geld aus dem Kreislauf erreicht.

Ökonomen sprechen von der Durchbrechung der Nullzinsgrenze. Diese ergibt sich daraus, dass Bargeldhaltung derzeit keine oder kaum Kosten erzeugt. Zukunftsweisende Top-Ökonomen und Notenbanker haben sich am 18. Mai 2015 in London zur Konferenz „Removing the Zero Lower Bound on Interest Rates“ getroffen, um die Möglichkeiten zur Abschaffung der Nullzinsgrenze zu erörtern. Dabei muss das Bargeld nicht komplett abgeschafft werden. Ökonomen wie Kenneth Rogoff und Peter Bofinger diskutieren jedoch auch diesen drastischen Vorschlag, das Bargeld ganz abzuschaffen. Dies hieße jedoch, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Die aktuelle Tendenz der Geldpolitik ist für alle Menschen ein Grund zur Freude. Der negative Einlagenzins könnte den längst überfälligen Paradigmenwechsel einläuten, indem statt der von Banken gehorteten Zentralbankgeldbestände die tatsächlich relevanten gehorteten Zahlungsmittel der Bankkunden in den Blick genommen würden.

Dabei geht es nicht um die gerne unterstellte "Bestrafung von Sparern". Es geht um eine Gebühr, die Spekulanten ihr Spiel verderben und den Menschen eine wertstabile Währung bieten würde. EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré hat in einer Rede am 9.9.2014 vor der Geldmarkt-Kontaktgruppe die Möglichkeit eines weiter sinkenden Einlagenzinssatzes vorgetragen. Ähnlich äußerte sich der Vize der amerikanischen Fed, Stanley Fischer, bei der Jahrestagung der American Economic Association am 3. Januar 2016, wo er über "Monetary Policy, Financial Stability, and the Zero Lower Bound" sprach. Diese Verweise auf Silvio Gesell und das Freigeld machen deutlich, dass die Notwendigkeit einer Bargeldgebühr auf höchster Ebene erwogen wird.

Parallel dazu haben einige Geschäftsbanken bereits damit begonnen, ihren Geschäftskunden Gebühren in Form von Negativzinsen für die exorbitant angeschwollenen Giralguthaben zu berechnen. Doch auch bei den Privatkunden sollte dies geschehen, evtl. zunächst ab einer bestimmten Höhe der Guthaben. Die Alternative Bank Schweiz (ABS) hat zum Januar 2016 geschickt und mutig ihre Zinskonditionen angepasst. Dies ist viel intelligenter und zukunftsweisender als die Überlegungen anderer Banken, Kreditzinsen oder Kontoführungsgebühren anzuheben.

Das Ziel der INWO ist dann erreicht, wenn die destruktive Belastung der Gesellschaft durch milliardenschwere Zins- und Bodenrenteneinkommen dauerhaft überwunden ist.

Viele Ihrer Fragen beantwortet unsere Homepage. Für ein technisches, wissenschaftliches Verständnis der aktuellen Situation empfehlen wir auch folgende Texte:

 

Januar 2016