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FAIRCONOMY-Newsletter Nr. 65

- Grundsteuer und Negativzinsen vor Gericht

- Bodenwertsteuer in allen Medien

- Regionalgeld in der Normandie

 

FAIRCONOMY
Fairconomy 4/2017

 

Inhalt:

  1. Aktuelles
  2. Termine
  3. Interessantes aus Medien und Netz
  4. Film- und Buchtipps
  5. Das Wort zum ... Schluss

 

 

1. Aktuelles

 

Am 16. Ja­nu­ar fand am Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he die ers­te münd­li­che Ver­hand­lung in Sa­chen “Ein­heits­be­wer­tung zur Be­mes­sung der Grund­steu­er” statt. Pro­fes­sor Dirk Löhr war für die von der IN­WO un­ter­stütz­te Ini­tia­ti­ve Grund­steu­er: Zeit­ge­mäß! vor Ort und hat ei­nen Be­richt ver­öf­fent­licht.

 

In der Gast­wirt­schaft-?Ko­lum­ne der Frank­fur­ter Rund­schau for­der­te die stellv. IN­WO-Vor­sit­zen­de Bea­te Bock­ting zu­nächst Grund­steu­er re­for­mie­ren (14.11.17) und dann Spe­ku­la­tion er­schwe­ren (17.01.).

 

In Sa­chen Ne­ga­tiv­zin­sen für Pri­vat­kun­den gab es nun ein ers­tes Ge­richts­ur­teil. Die schlech­te Nach­richt: Das Land­ge­richt Tü­bin­gen gab in sei­nem Ur­teil vom 26. Ja­nu­ar der Ver­brau­cher­zen­tra­le Ba­den-​Würt­tem­berg recht, die Volks­bank Reut­lin­gen dür­fe nicht nach­träg­lich von Be­stands­kun­den Ne­ga­tiv­zin­sen ver­lan­gen. Die Volks­bank hat­te im Zeit­raum 7.5. bis 26.6.2017 per Preis­aus­hang u.a. auf täg­lich fäl­li­ges Ta­ges­geld ab ei­nem Vo­lu­men von 10.000 Eu­ro 0,5% Ne­ga­tiv­zin­sen ein­ge­führt, die­se je­doch nach ei­ner Ab­mah­nung durch die Ver­brau­cher­zen­tra­le wie­der zu­rüc­k­ge­zo­gen. „Die von der Ver­brau­cher­zen­tra­le be­an­stan­de­ten All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen der Bank ver­sto­ßen bei Alt­ver­trä­gen nach Auf­fas­sung der Kam­mer ge­gen we­sent­li­che Grund­ge­dan­ken der ge­setz­li­chen Re­ge­lung. Durch All­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gun­gen kann nicht nach­träg­lich bei be­reits ab­ge­schlos­se­nen Ein­la­ge­ge­schäf­ten ein­sei­tig durch die Bank ei­ne Ent­gelt­pflicht für den Kun­den ein­ge­führt wer­den, die es we­der im Dar­le­hens­recht noch beim un­re­gel­mä­ßi­gen Ver­wah­rungs­ver­trag gibt“, teil­te das Ge­richt mit.

Die gu­te Nach­richt: Mit der Kla­ge hoff­te die Ver­brau­cher­zen­tra­le auch auf ei­ne grund­sätz­li­che Klä­rung der Zu­läs­sig­keit von Ne­ga­tiv­zin­sen. Die Rich­ter er­klär­ten je­doch Ne­ga­tiv­zin­sen nicht grund­sätz­lich für un­zu­läs­sig: „Mit der vor­lie­gen­den Ent­schei­dung wird der Be­klag­ten im Ü­b­ri­gen kei­nes­wegs dau­er­haft die Ein­führung von Ne­ga­tiv­zin­sen un­ter­sagt“, so das Ge­richt.

Durch ih­re Äuße­run­gen seit Ein­führung der Ne­ga­tiv­zin­sen dürf­ten nicht zu­letzt die Ver­brau­cher­zen­tra­len dar­an Schuld sein, dass die Ge­schäfts­ban­ken lie­ber mas­siv Ge­bühren an­ge­ho­ben ha­ben, als - ö­ko­no­misch sinn­vol­ler - die Ne­ga­tiv­zin­sen der No­ten­bank an ih­re Kun­den wei­ter­zu­rei­chen. So­mit wur­de den Geld­in­sti­tu­ten der Ein­stieg in ei­ne Um­lauf­si­che­rung für un­se­re Zah­lungs­mit­tel un­nö­tig schwer ge­macht und es wer­den zu­künf­tig Alt­ver­trä­ge ge­kün­digt wer­den müs­sen. Die Volks­bank Reut­lin­gen hat­te bei den strit­ti­gen Kon­to­for­men ü­bri­gens kei­ne Kon­to­führungs­ge­bühren er­ho­ben.

 

Das Re­kord­tief bei den Ar­beits­lo­sen­zah­len lässt sich laut IN­WO-?Re­fe­rent Klaus Wil­lem­sen vor al­lem mit den dau­er­haft nied­ri­gen Zin­sen er­klä­ren.

 

2. Termine

 

29. Ja­nu­ar 2018, Frank­furt am Main: Po­di­ums­dis­kus­sion zum Bo­denthe­ma mit den Ober­bür­ger­meis­ter­kan­di­da­ten von SPD, Grü­nen und Lin­ken. Ver­an­stal­ter: Ini­ti­tia­ti­ve Fi­nanz­plan Frank­furt (IFIF), IN­WO ne­ben wei­te­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen als Mit­ver­an­stal­ter. Ort: Kunst­ver­ein Fa­mi­lie Mon­tez, Hon­sell­stra­ße 7, 60314 Frank­furt. Zeit: 19.30h – 21.30h

 

17. & 18. Februar 2018, Wup­per­tal: „Wem ge­hört die Er­de?”, Teil der Se­mi­nar­rei­he „Wirt­schaft & Ges­ell­schaft“ von SffO und Hu­ma­ner Wirt­schaft, in der Sil­vio-Ges­ell-​Tag­ungs­stät­te.

 

9. & 10. März 2018, Wup­per­tal: „Wie wei­ter mit Eu­ro­pa und dem Eu­ro?“ -? 61. Mün­de­ner Ge­sprä­che.

 

28. April & 29. April 2018, Wit­ten: Von der Fi­nanz­wirt­schaft zur Real­wirt­schaft – 10 Jah­re nach Leh­man Bro­thers, „Geldgipfel“ der GLS Bank Stiftung.

 

25. Ju­li bis 10. Au­gust 2018, Wien: Al­ter­na­ti­ve Eco­no­mic and Mo­ne­ta­ry Sys­tems, In­ter­na­tio­nal Sum­mer Uni­ver­si­ty.

 

Irr­tü­mer und Än­de­run­gen vor­be­hal­ten. Mehr lo­ka­le und ak­tua­li­sier­te Ter­mi­ne ste­hen im­mer im IN­WO-​Ter­min­ka­len­der.

 

3. Interessantes aus Netz und Medien

 

Die Bo­den­wert­steu­er ist in den letz­ten Wo­chen in den Me­dien er­freu­lich prä­sent ge­we­sen:

 

Barbara Hendricks
Bar­ba­ra Hen­dricks

 

Mi­chael En­des Kri­tik des Fi­nanz­sys­tems in «Mo­mo» heißt ein Ar­ti­kel von Antje Voll­mer, er­schie­nen bei Hin­ter den Schlag­zei­len im De­zem­ber 2017. Sie be­leuch­tet da­rin den fast nur un­ter Frei­wir­ten be­kann­ten fi­nanz­sys­tem­kri­ti­schen Hin­ter­grund die­ses be­rühm­ten Kin­der­bu­ches.

 

Es gibt bald Ei­ne neue Währung in der Nor­man­die, be­rich­tet die NZZ (21.01.) von ei­ner von der Re­gio­nal­ver­wal­tung ge­schaf­fe­nen Re­gio­nal­währung. Im Ar­ti­kel wer­den auch der Schwei­zer WIR und Sil­vio Ge­sell er­wähnt, aber von ei­ner Um­lauf­si­che­rung für die neue Währung ist lei­der nicht die Re­de.

 

Dich­ter an die Macht! hat der Ra­dio­sen­der Deutsch­land­funk Kul­tur das In­ter­view von An­drea Gerk mit Vol­ker Wei­der­mann ge­nannt. The­ma ist Wei­der­manns ak­tu­el­les Buch Träu­mer - Als die Dich­ter die Macht über­nah­men (sie­he Buch­tipp), in dem, genau wie im In­ter­view, auch Sil­vio Ge­sell ei­ne Rol­le spielt.

 

Stei­ge­run­gen des Bo­den­wer­tes, die oh­ne be­son­de­ren Ar­beits- oder Ka­pi­tal­auf­wand des Ei­gen­tü­mers ent­ste­hen, sind für die All­ge­mein­heit nutz­bar zu ma­chen.


Ver­fas­sung des Frei­staa­tes Bay­ern von 1946, Ar­ti­kel 161

 

 

 

 

Buch-Titel

Träumer (Titelseite)

 

 

4. Film- und Buchtipps

 

Mit „Träu­mer – Als die Dich­ter die Macht über­nah­men“ lässt Vol­ker Wei­der­mann im Vor­feld des 100-?jäh­ri­gen Ju­bi­lä­ums des Frei­staats Bay­ern und der Münch­ner Rä­te­re­pu­blik den heu­ti­gen Le­ser die­sen be­son­de­ren Mo­ment der deut­schen Ge­schich­te nach­emp­fin­den. In Ro­man­form er­zählt er die Er­eig­nis­se nach, wo­durch die Prot­ago­nis­ten sehr le­ben­dig wir­ken.

 

Der Volks­be­auf­trag­te für Fi­nan­zen Sil­vio Ge­sell for­mu­lier­te „die Grund­sät­ze sei­ner Amts­führung und sein zen­tra­les Pro­jekt“ wie folgt: „Da die ab­so­lu­te Währung nur mit Frei­geld dau­ernd durch­zu­führen ist, da au­ßer­dem das Frei­geld die gan­ze Volks­wirt­schaft auf das kräf­tigs­te be­lebt, da end­lich un­ter der dau­ern­den Wir­kung des Frei­gelds der Zins­fuß au­to­ma­tisch sinkt und die Löh­ne ent­spre­chend stei­gen, kann al­lein das Frei­geld für die Rä­te­re­pu­blik in Be­tracht kom­men.“ Ge­ra­de­zu ko­mö­di­an­tisch scheint der Te­le­gra­fen-?Dia­log zwi­schen Ge­sell und dem da­ma­li­gen Reichs­bank­prä­si­den­ten, ei­nem Ju­ris­ten, un­ter des­sen Prä­si­dent­schaft spä­ter die Hy­pe­rin­fla­tion von 1923 statt­fand. Ge­sell te­le­gra­phier­te: „Ich will mit durch­grei­fen­den Mit­teln die Währung sa­nie­ren, ver­las­se die We­ge der sys­tem­lo­sen Pa­pier­geld­wirt­schaft, ge­he zur ab­so­lu­ten Währung über und bit­te um Be­kannt­ga­be Ih­rer Stel­lung­nah­me.“ Für die Ant­wort ha­be der Reichs­bank­prä­si­dent nur vier Wor­te ge­braucht: „Ich war­ne vor Ex­pe­ri­men­ten!“

 

5. Das Wort zum ... Schluss

 

 

„Die ers­te Pflicht al­ler Jour­na­lis­ten müs­s­te doch sein, nicht ge­gen ir­gend­ei­nen Feind, son­dern ge­gen den Krieg mo­bil zu ma­chen!“


Kon­stan­tin Wecker im von ihm her­aus­ge­ge­be­nen Hin­ter den Schlag­zei­len, ge­grün­det 2003

 

 

Mit freund­li­chen Grüßen

Vla­do Pla­ga und Mit­strei­ter