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FAIRCONOMY-Newsletter Nr. 63

Neues von der Grundsteuerreform

INWO-Mitgliederversammlung

Einsteigerseminare

Lese-Empfehlungen

 

 

FAIRCONOMY
Fairconomy 2/2017

 

1. Aktuelles

 

Die ak­tu­el­le Fair­co­no­my hat star­ke Tex­te zu bei­den INWO-​Grund­pfei­lern:

  • Im Schwer­punkt zu Ge­nos­sen­schafts­ban­ken und Spar­kas­sen zeigt Udo Phil­ipp, dass die­se ur­sprüng­lich für we­ni­ger wohl­ha­ben­de Men­schen ge­grün­de­ten Ein­rich­tun­gen durch stei­gen­de Ka­pi­tal­markt­zin­sen in ih­rer Exis­tenz be­droht wären.
  • Die „Schwer­ter Er­klä­rung“ mit dem Ti­tel „Ei­gen­tum ver­pflich­tet - mehr Bo­den für das Ge­mein­wohl“ kom­men­tiert Pro­fes­sor Dirk Löhr.

 

Fo­kus auf Un­gleich­heit lau­tet Bea­te Bock­tings ak­tu­el­le Ko­lum­ne in der Frank­fur­ter Rund­schau.

 

Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank hat bei ih­rer Sit­zung am 8. Ju­ni ih­ren geld­po­li­ti­schen Aus­blick ge­än­dert. Lei­der ist nun von der Mög­lich­keit noch nied­ri­ge­rer Leit­zin­sen, wie sie im Sin­ne der INWO wä­ren, kei­ne Re­de mehr.

Zwar be­schloss die EZB auch im Ju­ni, die Leit­zin­sen un­ver­än­dert zu las­sen und die An­lei­he­käu­fe min­des­tens bis zum Jah­res­en­de bei­zu­be­hal­ten. Sie strich je­doch den zu­vor üb­li­chen Ver­weis, dass die Zin­sen ge­ge­be­nen­falls auf ein noch nied­ri­ge­res Ni­veau ge­senkt wer­den könn­ten. Jetzt heißt es nur noch: „Wir ge­hen da­von aus, dass sie für län­ge­re Zeit und weit über den Zeit­ho­ri­zont un­se­res Net­to­er­werbs von Ver­mö­gens­wer­ten hin­aus auf ih­rem ak­tu­el­len Ni­veau blei­ben wer­den.“

Die US-​No­ten­bank FED hat im Ju­ni wie er­war­tet er­neut ih­ren Leit­zins er­höht.

 

Neu­es von Grund­steu­er: Zeit­ge­mäß!:

  • Da der Bun­des­tag es nicht schaff­te, in der lau­fen­den Le­gis­la­tur­pe­ri­ode den im Herbst 2016 vom Bun­des­rat be­schlos­se­nen Ge­setz­ent­wurf zur Neu­re­ge­lung der Grund­steu­er zu ver­han­deln, wird die­ser Ent­wurf mit dem En­de der lau­fen­den Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ver­fal­len. Ob und wenn ja wie es nach der Bun­des­tags­wahl mit der Re­form der Grund­steu­er wei­ter­geht ist da­mit wie­der of­fen.
  • Die häu­fig­sten Fra­gen & Ant­wor­ten zur Bo­den­steu­er hat die Ini­tia­ti­ve jetzt über­ar­bei­tet, er­wei­tert und neu grup­piert.

 

Am 30. Ju­ni ver­trat INWO-​Vor­stands­mit­glied Matt­hias Klim­pel bei der Ver­an­stal­tung „Geld der Zu­kunft: Kre­dit und Zins - Wie Glau­be Geld und Ber­ge ver­set­zen kann“ die INWO-​Po­si­tion und leg­te die glo­ba­len Di­men­sio­nen der Geld- und Zins­fra­ge dar.

 

Im März die­ses Jah­res verstarb Wil­helm Schmül­ling, lang­jäh­ri­ger Re­dak­teur und bis zu­letzt Her­aus­ge­ber und Kom­men­ta­tor in der Hu­ma­nen Wirt­schaft. Ei­nen gu­ten Ein­blick in sein Le­ben lie­fert ein In­ter­view mit Sun­pod, zum Hö­ren und Le­sen, wel­ches er 2015 gab.

 

2. Termine

 

26. Ju­li - 13. Au­gust, Wien: „Al­ter­na­ti­ve Eco­no­mic and Mo­ne­ta­ry Sys­tems“ - In­ter­na­tio­nal Sum­mer Uni­ver­si­ty.

 

23. - 24. Sep­tem­ber, Bonn, Ju­gend­her­ber­ge Haager Weg 42: INWO-​Mit­glie­der­ver­samm­lung mit Vor­stands­wah­len, ei­nem Vor­trag zum Bo­den­the­ma von Dirk Löhr und ei­ner Dis­kus­sion zur in­halt­li­chen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Wei­ter­ent­wick­lung der INWO. Ge­ziel­te Pau­sen mit an­ge­lei­te­ten Locke­rungs-​Übun­gen sind ein­ge­plant. Die An­reise kann be­reits am Frei­tag­abend (22. Sep­tem­ber) er­fol­gen. Die of­fi­ziel­le Ein­la­dung und wei­tere In­for­ma­tio­nen er­schei­nen in der näch­sten Fair­co­no­my. An­mel­dun­gen oder Rück­fra­gen zur Teil­nah­me bit­te mög­lichst bald an INWO@INWO.de!

 

22. - 24. Sep­tem­ber, Wup­per­tal: Jah­res­fei­er Hu­ma­ne Wirt­schaft in der Sil­vio-Ge­sell-​Ta­gungs­stät­te.

 

04. & 05. No­vem­ber, Wup­per­tal, Sil­vio-Ge­sell-​Ta­gungs­stät­te: Auf­takt der Se­mi­nar­rei­he „Wirt­schaft und Ge­sell­schaft“ aus­ge­rich­tet durch das Se­mi­nar für frei­heit­li­che Ord­nung e.V., ver­tre­ten durch Fritz An­dres und Eck­hard Beh­rens, den För­der­ver­ein für Na­tür­li­che Wirt­schafts­ord­nung e.V. und den Lern­ort Wup­per­tal, ge­tra­gen vom Frei­wirt­schaft­li­chen Ju­gend­ver­band Deutsch­land e.V.. Ers­tes Se­mi­nar-​Wo­chen­en­de: Das Geld im Kreis­lauf der Wirt­schaft.

 

16. & 17. De­zem­ber, Wup­per­tal: Teil zwei der am 4. No­vem­ber be­gon­ne­nen Se­mi­nar­rei­he: Aus­wir­kun­gen ei­ner Geld­re­form im Sin­ne Sil­vio Ge­sells.

 

13. & 13. Ja­nu­ar 2018, Wup­per­tal: Teil drei der am 4. No­vem­ber 2017 be­gon­ne­nen Se­mi­nar­rei­he: Die Zu­kunft der Un­ter­neh­mens­ver­fas­sung.

 

Irr­tü­mer und Än­de­run­gen vor­be­hal­ten. Mehr lo­ka­le und ak­tua­li­sier­te Ter­mi­ne ste­hen im­mer im IN­WO-​Ter­min­ka­len­der.

 

3. Interessantes aus Netz und Medien

 

Die Ma­cher des von der INWO un­ter­stütz­ten Films „Wer ret­tet wen?“ ar­bei­ten mo­men­tan am Fol­ge-​Pro­jekt „Der markt­ge­rech­te Men­sch“ und wer­ben auch da­für um fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung. Im­mer wie­der wer­den schon in ih­ren in­for­ma­ti­ven Rund­brie­fen Ker­naus­sa­gen der INWO auf­ge­grif­fen, so zum Bei­spiel: „Die Lohn­quo­te, der Pro­zent­satz der Lohn­ein­kom­men am Volks­ein­kom­men, be­trug 1982 noch 77%. Er sank bis 2007 auf 65%.“

 

Die in­ter­essan­te 44-​mi­nü­ti­ge WDR-​Do­ku­men­ta­tion „Wem ge­hö­ren Wald und Land in NRW?“ ha­ben wir in un­se­re Vi­deo-​Sei­te auf­ge­nom­men... bis zum 15.06.2018, wenn sie aus der WDR-​Me­dia­thek wie­der ver­schwin­den soll.

 

Mit „Ü­ber die Not­wen­dig­keit von ne­ga­ti­ven Leit­zin­sen“ hat ein Tele­po­lis-Ar­ti­kel von Jörg Räwel ei­nen Ti­tel ganz im IN­WO-Sin­ne - auch wenn ein Kom­men­ta­tor nicht ganz Un­recht hat mit sei­nem „Es hat Zeit und Mü­he ge­kos­tet, mich durch die­sen auf­ge­bla­sen und ver­schwur­bel­ten Text zu käm­pfen“.

 

„Dass die Miet­preis­brem­se ein Flop wer­den wird, ha­ben wir schon im Fe­bru­ar 2015 vor­her­ge­sagt“ kann Dirk Löhr heu­te ne­ben­bei fest­stel­len, wenn er auf die ZDF-Do­ku Irr­sinn auf dem Woh­nungs­markt ver­weist.

 

Mon­ne­ta.org hat ein neu­es De­si­gn, zeit­ge­mäß an die Bild­schirm­grö­ße selbst­an­pas­send, und es gibt neue In­ter­view-Vi­deos auf Eng­lisch mit Ber­nard Lie­taer und mit Charles Ei­sen­stein. Le­sens­wert ist auch der ak­tu­el­le Mon­ne­ta-​Ar­ti­kel zur Schwei­zer WIR-Bank. Die­se seit über 80 Jah­ren exis­tie­ren­de zins­re­du­zier­te Par­al­lel­währung bie­tet seit kur­z­em auch ei­ne App, Bank­kar­ten und ei­nen On­line-​Markt­platz.

 

Buchtitel
Das En­de der Ren­ten­öko­no­mie

 

4. Film- und Buchtipps

 

Dirk Löhr & Fred Har­ri­son (Hg.): Das En­de der Ren­ten­ö­ko­no­mie - Wie wir glo­ba­le Wohl­fahrt

und ei­ne nach­hal­ti­ge Zu­kunft bau­en kön­nen


Ver­lags­text: Die­ses Buch han­delt von ei­nem gleich­zei­tig al­ten wie neu­en ö­ko­no­mi­schen Pa­ra­dig­ma, der „Geo­klas­sik”. Spä­tes­tens seit der Wirt­schafts­kri­se 2008 sind die her­kömm­li­chen Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten un­glaub­wür­dig ge­wor­den. Die ö­ko­no­mi­sche Er­de in die­sem durch die neo­klas­si­sche Theo­rie­welt ge­präg­ten Fach ist ei­ne Schei­be. In „Das En­de der Ren­ten­ö­ko­no­mie” stel­len 13 Bei­trä­ge dar, wie die Ar­bei­ten der al­ten klas­si­schen Ö­ko­no­men durch die Neo­klas­sik per­ver­tiert und im In­ter­es­se mäch­ti­ger In­ter­es­sen­grup­pen in­stru­men­ta­li­siert wur­den.

 

Buchtitel
Sonst knallt's!

Götz W. Wer­ner, Marc Fried­rich und Matt­hias Weik: Sonst knallt's. Warum wir Wirt­schaft und Po­li­tik ra­di­kal neu den­ken müs­sen


Der Ti­tel die­ses klei­nen Büch­leins ver­spricht viel und die Au­to­ren kön­nen sich, wie schon bei vor­he­ri­gen Bü­chern, ei­nes or­dent­li­chen Ver­kaufs-Er­folgs freu­en. Es gibt da­rin star­ke und auch mu­ti­ge Grund­ge­dan­ken. So sagt der lang­jäh­ri­ge BGE-Ver­fech­ter Götz Wer­ner im In­ter­view zum Buch: „Ich ver­su­che in mei­nen Vor­trä­gen im­mer deut­lich zu ma­chen, dass vie­les in un­se­rer Wirt­schaft da­rum fal­sch läuft, weil wir es fal­sch den­ken. Näm­lich be­triebs­wirt­schaft­lich ver­engt statt volks- und ge­mein­wirt­schaft­lich. Nur Un­ter­neh­men ha­ben Kos­ten. Volks­wirt­schaft­lich be­trach­tet lö­sen sich al­le Kos­ten bis auf den letz­ten Cent in Ein­kom­men auf.“. Zu Recht kri­ti­sie­ren die Au­to­ren das deut­sche Steu­er­sys­tem als bü­ro­kra­ti­sches Mons­ter, das die Leis­tun­gen von ar­bei­ten­den Men­schen be­stra­fe und den Ein­satz von Ma­schi­nen und Tech­nik sub­ven­tio­nie­re. Als INWO se­hen wir bei ei­ner mög­li­chen Re­du­zie­rung auf ei­ne ein­zi­ge Steu­er al­ler­dings den Bo­den- und Res­sour­cen­ver­brauch als ge­eig­nets­ten Kan­di­da­ten, denn den müs­sen wir be­gren­zen, nicht je­doch den Kon­sum an sich, wie es die Au­to­ren vor­schla­gen. Bei der Be­trach­tung der seit 2008 an­dau­ern­den Fi­nanz­kri­se kom­men so­gar völ­lig ge­gen­sätz­li­che An­sich­ten zu Ta­ge: „Vie­le Kom­mu­nen müs­sen blu­ten, weil ih­re ta­ges­ak­tu­el­len Bank­ein­la­gen meist so hoch sind, dass für sie Ne­ga­tiv­zin­sen fäl­lig wer­den.“, schrei­ben sie im ers­ten Ka­pi­tel - völ­lig igno­rie­rend, was je­dem lo­kal­po­li­tisch den­ken­den Ruhr­ge­biets­bür­ger so­fort klar ist: die nied­ri­gen Zin­sen sind ein Se­gen für die meist hoch ver­schul­de­ten Kom­mu­nen und soll­ten sie nur ge­ring­fü­gig an­stei­gen, wä­re der völ­li­ge Aus­ver­kauf der bis­her öf­fent­li­chen Schwimm­bä­der, Stra­ßen­bah­nen, Ka­na­li­sa­tion und Schul­ge­bäu­de nicht mehr auf­zu­hal­ten. Die Au­to­ren zie­hen Par­al­le­len zwi­schen Grund­be­sitz und Gr­und­ein­kom­men und mei­nen, dass we­gen der na­he­zu kom­plet­ten Fremd­ver­sor­gung heut­zu­ta­ge ein Gr­und­ein­kom­men gen­au­so not­wen­dig sei, wie es vor nicht all­zu lan­ger Zeit, in der weit­ge­hen­den Selbst­ver­sor­gung, der Zu­gang zu Bo­den war. „Ne­ben­bei“, al­ler­dings oh­ne dar­aus über das BGE hin­aus­ge­hen­de For­de­run­gen ab­zu­lei­ten oder die Fi­nan­zie­rung des BGE eben mit ei­ner Be­steue­rung von Bo­den und Res­sour­cen zu ver­knüp­fen, kri­ti­sie­ren sie auch den pri­va­ten Land­be­sitz ge­ne­rell: „Mit pri­va­tem Im­mo­bi­li­en­be­sitz ha­ben es als Ers­te die al­ten Grie­chen ver­sucht - und hat­ten kei­ne 100 Jah­re spä­ter die Pro­ble­me von Schuld­knecht­schaft und Skla­ver­ei am Hals.“

 

Polizei vor Transparenten
G20 in Hamburg - Polizei (Foto: T. Schrö­der)

 

5. Das Wort zum ... Schluss

 

 

“In an in­te­rest-based sys­tem, class war is in­evi­table, whe­ther in mu­ted or ex­pli­cit form.”


Charles Eisen­stein, Sacred Economics: Chapter 6

 

(Deutsch etwa: „Klas­sen­kampf, ob ge­dämpft oder of­fen, ist in ei­nem zins­ba­sier­ten Sys­tem un­ver­meid­bar.“)

 

Mit freund­li­chen Grüßen

Vla­do Pla­ga und Mit­strei­ter