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FAIRCONOMY-Newsletter Nr. 61

INWO-Einsatz für "variable Kontoführungsgebühren" (Negativzinsen)

Eu­ro­pa­wei­te Kampagne: „An­er­ken­nung des Bo­dens als ge­mein­sa­mes Gut, das auf EU-Ebe­ne ge­schützt wer­den muss“

Oxfam: Die glo­ba­le Ver­mö­gens­kon­zen­tra­tion schrei­tet vor­an

Inhalt:

  1. Aktuelles
  2. Termine
  3. Interessantes aus Medien und Netz
  4. Film- und Buchtipps
  5. Das Wort zum ... Schluss

 

1. Aktuelles

FAIRCONOMY
Fairconomy 4/2016

Be­reits seit An­fang 2016 gibt die Al­ter­na­ti­ve Bank Schweiz die Ne­ga­tiv­zin­sen der Zen­tral­bank an ih­re Kun­den wei­ter. In Fair­co­no­my 4/2016 ver­öf­fent­licht die IN­WO des­we­gen ein In­ter­view mit dem ABS-​Vor­stand Mar­tin Roh­ner. Die­ses In­ter­view ver­teil­ten wir als Flug­blatt ge­druckt auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung der GLS-​Bank (sie­he fol­gen­der Ab­satz).

Bei der Ge­ne­ral­ver­samm­lung der ge­nos­sen­schaft­li­chen GLS-​Bank im De­zem­ber 2016 wur­de auf An­trag des Vor­stan­des die Ein­füh­rung ei­nes Kun­den­bei­trags be­schlos­sen – um die durch die ver­min­der­te Zins­mar­ge ge­sun­ke­nen Ein­nah­men wie­der an­zu­he­ben. Be­kannt­lich sind in den letz­ten Jah­ren die Kre­dit­zin­sen stär­ker ge­sun­ken als die Ein­la­ge­zin­sen (die schon lan­ge na­he 0 la­gen), so dass die Zins­mar­ge da­zwi­schen, die Haup­tein­nah­me­quel­le der meis­ten Ban­ken, schma­ler wur­de. Der von der IN­WO un­ter­stütz­te Al­ter­na­tiv-​An­trag Dirk Schu­ma­chers, nach wel­chem die Bank die Zins­mar­ge wie­der ver­grö­ßern könn­te, in­dem der Ein­la­ge­zins un­ter 0 ge­senkt wür­de, fand be­acht­li­che Zu­stim­mung, et­wa 22% der Stim­men, aber lei­der nicht ge­nug. Wir se­hen noch Dis­kus­si­ons­be­darf und pla­nen des­halb für den 28.03. ei­ne Po­di­ums­dis­kus­sion mit Dirk Schu­ma­cher und Falk Zi­entz von der GLS-​Bank – sie­he Ter­mi­ne.

Flugblatt-Verteilung
GLS-Versammlung, Dez. 2016

Am 28. Januar ver­an­stal­te­te die IN­WO in Frank­furt ein gut be­such­tes und an­ge­nom­me­nes Frei­wirt­schafts-​Ein­stei­ger­se­mi­nar mit Pro­fes­sor Dirk Löhr.

 

2. Termine

4. und 5. Fe­bruar, Wit­ten/ Her­decke: „Work­shop Wachs­tums­zwang“ - Wirt­schaft­li­che Sach­zwän­ge zwi­schen Rhe­to­rik und Rea­li­tät u.a. mit Chri­stoph Deutsch­mann, Bir­ger Prid­dat und Mi­chael Roos.

15. Fe­bru­ar, Bad Boll: „Wem ge­hört die Er­de?“ - Vor­trag und Dis­kus­sion mit Fritz An­dres im Rah­men der „Bad Bol­ler Ge­sprä­che“, Schu­le der Frei­heit, Bad­stra­ße 35, 73087 Bad Boll.

11. und 12. März 2017, Wup­per­tal: 59. Mün­de­ner Ge­sprä­che - Mög­lich­kei­ten und Gren­zen des Voll­gel­des.

28. März, Dort­mund: „Brau­chen wir ei­ne so­li­da­ri­sche Ban­ken­fi­nan­zie­rung?“ - Po­di­ums­dis­kus­sion mit Falk Zi­entz (GLS-Bank) und Dirk Schu­ma­cher (BGE-Krei­se). Im Ge­bäu­de der Aus­lands­ge­sell­schaft NRW, Stein­stra­ße 48, di­rekt hin­ter dem Haupt­bahn­hof. Der Ein­tritt ist frei. Be­ginn: 19 Uhr.

10. - 14. Mai, Bar­ce­lo­na: „IV In­ter­na­tio­nal Con­fe­rence on So­cial and Com­ple­men­ta­ry Cur­ren­cies: Mo­ney, Con­scious­ness and Values for So­cial Change“. Mit Be­tei­li­gung der Hu­ma­nen Wirt­schaft.

25. - 27. Mai, Ber­lin: Die IN­WO ist mit ei­nem Stand auf dem „Markt der Mög­lich­kei­ten“ des Deut­schen Evan­ge­li­schen Kir­chen­tags ver­tre­ten.

26. Ju­li - 13. Au­gust, Wien: „Al­ter­na­ti­ve Eco­no­mic and Mo­ne­ta­ry Sys­tems“ - In­ter­na­tio­nal Sum­mer Uni­ver­si­ty.

22. - 24. Sep­tem­ber, Wup­per­tal: Jah­res­fei­er Hu­ma­ne Wirt­schaft in der Sil­vio-Ge­sell-Ta­gungs­stät­te.

Irr­tü­mer und Än­de­run­gen vor­be­hal­ten. Mehr lo­ka­le und ak­tua­li­sier­te Ter­mi­ne ste­hen im­mer im IN­WO-​Ter­min­ka­len­der.

 

3. In­te­res­san­tes aus Netz und Me­di­en

Wir wur­den auf ei­ne eu­ro­pa­wei­te Un­ter­schrif­ten­samm­lung zur „An­er­ken­nung des Bo­dens als ge­mein­sa­mes Gut, das auf EU-Ebe­ne ge­schützt wer­den muss“ auf­merk­sam ge­macht. Wenn nicht je­der mit Bo­den ma­chen darf, was er will, ist der Pri­vat­be­sitz zu­min­dest schon mal ein­ge­schränkt... was im­mer­hin in Rich­tung Frei­land geht.

Dem taz-Be­richt „Der An­schein ei­nes Geld­scheins“ zu Fol­ge wird im 14-​Mil­lio­nen-​Land Sim­bab­we völ­lig dil­le­tan­tisch mit der Wäh­rung ge­pfuscht. Seit 2009 wer­de nur noch mit aus­län­di­schen Schei­nen ge­zahlt und jetzt wer­de ei­ne fest an den US-​Dol­lar ge­kop­pel­te „Schuld­schein“-​Wäh­rung ein­ge­führt - wo­bei dies na­tür­lich trotz des Ein­lö­se­ver­spre­chens nor­ma­les ei­ge­nes Geld bleibt.

Stef­fen Hen­ke hat sich zum kri­ti­schen „Voll­geld“-​Ex­per­ten ent­wi­ckelt und plant für die­ses Jahr ei­ne Buch­ver­öf­fent­li­chung zum Voll­geld. Schon im April 2016 ver­öf­fent­lich­te er ein auf­schluss­rei­ches ima­gi­näres „Mil­li­ar­därs­ge­spräch“ zu die­sem The­ma.

Mit dem Kom­men­tar Es sind die Mie­ten, stu­pid ent­larvt die taz-​Wirt­schafts­re­dak­teu­rin Ul­ri­ke Herr­mann die in man­chen Me­dien be­klag­te leicht an­ge­stie­ge­ne In­fla­tion als das, was sie ist: ei­ne Ver­mö­gens­preis-​In­fla­tion, wel­che den be­son­ders laut kla­gen­den be­reits Be­sit­zen­den eher nutzt als scha­det.

In der Sendung Ayn Rand und der Geist der USA - Femme fatale fürs Kapital liefert der Deutschlandfunk am 01.11.2016 eine spannende Darstellung zum gedanklichen Hintergrund überzeugter Kapitalisten wie z.B. Steve Jobs (Apple).

Die glo­ba­le Ver­mö­gens­kon­zen­tra­tion schrei­tet vor­an... und Oxfam will an­schei­nend jetzt je­des Jahr zum Welt­wirt­schafts­fo­rum in Da­vos mel­den, wie we­ni­ge Rei­che mehr be­sit­zen als die är­me­re Hälf­te der Welt­be­völ­ke­rung. Wa­ren es letz­tes Jahr noch 62 In­di­vi­du­en, so hat sich die Zahl die­ses Jahr laut Oxfam-Be­richt (mit le­sens­wer­ter, kom­men­tier­ba­rer Kri­tik-Sei­te) auf nur 8 re­du­ziert.

Der Fall Ken Jebsen
Der Fall Ken Jebsen (2016)

4. Film- und Buch­tipps

In ei­ni­gen von mir ge­se­he­nen KenFM-Bei­trä­gen der neu­e­ren Zeit ließ Mo­de­ra­tor Ken Jeb­sen zu­min­dest kurz auf­blit­zen, dass er Zin­sen sehr kri­tisch sieht und dass er schon vom Ge­sell'schen Frei­geld ge­hört hat­te. Im In­ter­view-Buch „Der Fall Ken Jeb­sen“ wird, ne­ben man­ch an­de­rem in­ter­essan­ten Hin­ter­grund, klar, wo­her das kommt: Im Rah­men'ei­ner Vier-Stun­den-Ra­dio-Sen­dung zum The­ma „Wie funk­tio­niert Geld“ mach­te das Re­dak­ti­ons­team ei­ne Re­cher­che­fahrt nach Wör­gl (S. 42). Dem Viel­le­ser Jeb­sen ist auch Bernd Senf („Der Ne­bel um das Geld“) ein Be­griff und er teilt die Über­zeu­gung von Ge­sell und Senf, dass im jet­zi­gen Geld­sys­tem 85% der Men­schen Ver­lierer sind. Der­zeit ist Ken Jeb­sen der ein­zi­ge mir be­kann­te be­deu­ten­de­re Me­dien-Ver­tre­ter, von dem das be­haup­tet wer­den kann - und al­lei­ne das macht ihn als Per­son so­wie auch die von ihm ge­stal­te­te Sen­dung in­ter­essant. Dem Buch ist die Ent­ste­hung, als tran­skri­bier­tes In­ter­view, stel­len­wei­se deut­lich an­zu­mer­ken. Das hat Vor­tei­le, vor al­lem ei­ne ge­wis­se Leich­tig­keit, aber auch Nach­tei­le, wo­zu ich vor al­lem das Feh­len von Struk­tur zäh­len wür­de.

5. Das Wort zum ... Schluss

 

 

Die Na­tio­na­li­sie­rung des Grund und Bo­dens wird ei­ne voll­kom­me­ne Än­de­rung in den Be­zie­hun­gen zwi­schen Ar­beit und Ka­pi­tal mit sich brin­gen und schließ­lich die ge­sam­te ka­pi­ta­lis­ti­sche Pro­duk­tion be­sei­ti­gen, so­wohl in der In­dus­trie wie in der Land­wirt­schaft.


Karl Marx, Über die Na­tio­na­li­sie­rung des Grund und Bo­dens (1868), in Land und Frei­heit (2013)

 

 

Mit freund­li­chen Grüßen

Vla­do Pla­ga und Mit­strei­ter