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Mathias aus Ostbrandenburg
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Liquiditätsgebühr statt negativer Leitzinsen
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Handelsblatt, Financial Times Deutschland, New York Times - immer mehr Zeitungen widmen sich dem Kuriosum negativer Leitzinsen. Die Modelle einiger Ökonomen verlangen danach. Die entscheidende Frage dabei: sind negative Leitzinsen überhaupt machbar? Falls ja: wäre ihre Einführung überhaupt sinnvoll? Oder gibt es noch bessere Lösungsansätze?
Negative Leitzinsen seien sehr wohl möglich, betont Harvard-Professor Greg Mankiw. Sein Kollege Willem Buiter, Professor an der London School of Economics hat schon vor Jahren in dieser Richtung nachgedacht und auch darüber geschrieben. Die INWO hat dies dokumentiert. Die beiden Ökonomen beweisen eine beeindruckende Innovationskraft. Doch leider fehlt auch bei ihnen der Gedankensprung, vom "negativen Zins" zu einer Gebühr auf die Zurückhaltung von Liquidität. Ein scheinbar belangloser Unterschied, der in der Praxis jedoch die entscheidenden Voraussetzungen schafft.
Das Dilemma der Fachleute besteht darin, dass die Leitzinsen nach ihren Berechnungen (Taylor-Regel) derzeit negativ sein müssten. Das jedoch ist schlicht nicht möglich. Leitzinsen unter null Prozent, das hieße: Die Geschäftsbanken bekommen eine Geldprämie dafür, dass sie Geld in Umlauf bringen. Eine dramatische Ausweitung der Bargeldmenge wäre die Folge.
Wesentlich für die Geldmengensteuerung ist, dass die herausgegebene Geldmenge auch bei Wachstums- und Inflationsraten um Null gleichmäßig umläuft. Das Problem der Ökonomen sind ihre Scheuklappen. Sie wissen, dass sie die entscheidende Veränderung in ihrer Formel durch eine Beeinflussung der Geldumlaufgeschwindigkeit erreichen könnten. In ihren Lehrbüchern finden sie dafür jedoch kein geeignetes Mittel, außer einer erhöhten Inflationsrate. Im Handwerkszeug der Notenbanken fehlt ein Impulsgeber, der den Geldumlauf anregt und gleichzeitig die Zinslasten senkt. Der Ausweg heißt Liquiditätsgebühr.
Gebühr auf Liquidität
Trotz einer stetigen Ausweitung der Bargeld- und Giralgeldmenge wird zu wenig Geld ausgegeben. Zins- und Inflationsraten um null Prozent machen Hortung und verstärkte Liquidität zu Spekulationszwecken attraktiv. In der Folge verringert sich das Angebot für langfristige Ausleihungen. Die Kassenhaltung unterliegt derzeit keinem Inflationsverlust und verursacht keine Kosten. Ein sogenannter Geldstreik ist die beinahe zwingende Folge.
Der Ökonom John Maynard Keynes hat dies, mit Verweisen auf Silvio Gesell, beschrieben: "Jene Reformer, die in der Erzeugung künstlicher Durchhaltekosten des Geldes ein Heilmittel gesucht haben, zum Beispiel durch das Erfordernis periodischer Abstempelungen der gesetzlichen Zahlungsmittel zu vorgeschriebenen Gebühren, sind somit auf der richtigen Spur gewesen; und der praktische Wert ihrer Vorschläge verdient diskutiert zu werden.
Der Ausweg aus dem Dilemma besteht in einer Gebühr auf die Geldnutzung bzw. auf die Geldhaltung. Will man die Zinstreppe erhalten und gleichzeitig die langfristigen Anlagen in den Bereich um Null bringen, müssen die liquiden Mittel Kosten verursachen.
Das Zurückhalten von Liquidität kann durch eine Gebühr auf Bargeld zum Kostenfaktor gemacht werden. Dadurch werden die Marktteilnehmer angehalten, ihre Liquidität weiter zu geben. Dies geschieht in Form von Käufen, Investitionen oder als Kredit an Andere. Mit einer Nutzungsgebühr bekommen die Notenbanken ein Regulativ an die Hand, mit dem sie aktiv die Umlaufgeschwindigkeit der herausgegebenen Geldmenge beeinflussen können. Ein damit erzielbarer gleichmäßiger Geldumlauf beugt Nachfragekrisen vor. Mit den Kosten für die Hortung des Geldes wird gleichzeitig verhindert, dass sich ein Inflationspotential aufbauen kann, wie dies bisher immer wieder geschieht. Die Verstetigung der Umlaufgeschwindigkeit beruhigt die Warenmärkte. Das zyklische Auf und Ab durch Nachfragekrisen kann so entscheidend gedämpft werden.
Zum Autor:
Klaus Popp ist Referent, Seminarleiter und Autor mit dem Schwerpunkt Fairconomy.
Weitere Artikel und das Angebot, Seminare und Vorträge zu organisieren, finden Sie auf seiner Internetseite. Sein Buch "Das Märchen vom guten Zins" ist versandkostenfrei bei der INWO erhältlich.
von Redaktion - 15. Juni 2009
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