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Wie funktioniert unser Geldsystem?

Man sollte meinen, den Fachleuten ist dies sonnenklar. Doch weit gefehlt. Geld? Kredit? Finanzsystem? Wie entstehen Wirtschaftskrisen? ... Auf der Suche nach Klarheit landen selbst Notenbanker schnell in der Nähe von Mythen und Verschwörungstheorien. DIE WELT berichtet über den aktuellen Versuch der Europäischen Zentralbank, ihre Geldpolitik zu erklären.

Anja Ettel und Holger Zschäpitz schreiben auf Welt.de über Mario Draghis „Zinspressekonferenz“ und kommen zu dem Schluss, dass Europa bis auf weiteres im Krisenmodus steckt. Ihr Beitrag macht deutlich, dass die Ökonomen mit der Geldpolitik im Nebel stochern, dass Begriffe, Zusammenhänge und Schlussfolgerungen unklar sind. Es wird deutlich, dass Mutmaßungen, und nicht Logik die Basis der politischen Entscheidungen bilden. Zieht man die ebenso lesenswerte Kritik des Finanzjournalisten Norbert Häring »Die Bundesbank versucht über Geldschöpfung aus dem Nichts aufzuklären - vergeblich« hinzu, wird die Verwirrung vollkommen.

Diese Verwirrung kommt nicht von ungefähr. Tatsächlich erinnern gerade die Bemühungen, das Kreditgeschäft anzukurbeln, an Versuche der Alchimisten, Gold zu erzeugen. Holger Zschäpitz beschreibt das mit folgenden Worten: »Eine Geschäftsbank muss das Geld für die Kredite noch nicht mal durch Spareinlagen anderer Kunden aufbringen. Sie kann selbst bei der Zentralbank einen Kredit bekommen. Dafür muss sie Sicherheiten hinterlegen, in der Regel Wertpapiere, und normalerweise Zinsen zahlen. Allerdings beträgt der Zins seit 2016 null Prozent.« Zum Verständnis: Die Geschäftsbank leiht sich die Sicherheiten, die sie für ihre zusätzlichen Kredite hinterlegen muss, bei der Notenbank. In der Regel sind das Staatsanleihen, die sie mitunter zuvor der EZB verkauft hat. Leider fragen weder Holger Zschäpitz noch Norbert Häring kritisch nach, warum es dieses Taschenspielertricks bedarf, während die Geschäftsbanken gleichzeitig fast sechs Billionen Euro täglich fällige Einlagen verwalten. Auch sie sind noch nicht bereit, die naheliegendste Forderung in ihre Gedankenmodelle aufzunehmen: die überschüssige Liquidität soweit zu verteuern, bis sie in ausreichendem Maße in langfristige Anleihen und Investitionen umgewandelt wird.

Zumindest Holger Zschäpitz, Anja Ettel und DIE WELT scheinen sich diesem Gedanken jedoch anzunähern. Zur Illustration ihrer Frage, »Wie das Geld in die Welt kommt«, verwenden sie eine Grafik, die auf den Wirtschaftspublizisten Helmut Creutz zurückgeht. Creutz differenziert in seinem Werk wie kein zweiter zwischen (Zentralbank-)Geld und (Bank-)Guthaben sowie zwischen Zahlungsmitteln (Bargeld & Giralgeld = Liquidität) und Kredit (Übertragung der Liquidität auf einen anderen), und veranschaulicht die parallelen Kreisläufe. Durch seine klare und unmissverständliche Analyse kommt Creutz zu der unvermeidlichen Forderung, eine Gebühr auf die Liquidität der Zahlungsmittel zu erheben. So, und nur so, ließe sich eine gesunde Zinsstruktur erzeugen, ohne den Kapitalmarkt durch ein deutlich steigendes Zinsniveau zu belasten. Mit dieser Maßnahme ließe sich das segensreiche Null-Zins-Niveau aus dem Krisenmodus in den Regelmodus einer nachhaltigen Ökonomie transferieren.

Lesen Sie dazu bitte auch »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld« und http://helmut-creutz.de/.

Klaus Willemsen, 3.5.2017

Verwendete Quellen:

https://www.welt.de/finanzen/article164119567/Darum-ruettelt-die-Bundesbank-jetzt-an-unserem-Geldsystem.html

norberthaering.de/de/27-german/news/818-bundesbank-geldschoepfung

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/

helmut-creutz.de