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Reichste zehn Prozent besitzen 79 Prozent der Netto-Geldvermögen

Die Allianz hat am Mittwoch die achte Ausgabe ihres „Global Wealth Reports“ vorgestellt, der die Vermögen und Schulden der privaten Haushalte in über 50 Ländern analysiert. Vermögen und Schulden wachsen trotz niedriger Zinsen weiter. Es mangelt an Investitionsbereitschaft. Nur effektive Negativzinsen sorgen für Abhilfe.

Trotz historisch niedriger Zinsen wachsen weltweit die Vermögen und Schulden weiter – was nicht wundert, denn bei einem hohen Ausgangsvolumen bringen schon geringste Zinsen einen enormen Vermögenszuwachs. Noch mehr Zuwachs bringen derzeit allerdings die Wertsteigerungen im Bestand, was einem sich weiter aufblähendem Aktienmarkt zuzurechnen ist.

Als Hauptergebnisse ihres „Globalen Vermögens-Reports“ nennt die Allianz:

• Vermögenswachstum steigt auf über 7%

• Bankeinlagen bleiben der Sparer liebstes Kind – trotz realer Wertverluste

• Schulden wachsen erstmals seit sieben Jahren wieder schneller als die Wirtschaftsleistung

• Deutsche Haushalte arbeiten hart für ihr Geld – andere lassen ihr Geld arbeiten

Das weltweite Geldvermögen, also ohne Immobilienvermögen, stieg im letzten Jahr auf knapp 170 Billionen Euro an. Das weltweite Brutto-Geldvermögen, wozu Bargeld und Bankeinlagen, Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionsfonds, Wertpapiere wie Aktien, Anleihen und Anteile an Investmentfonds sowie sonstige finanzielle Forderungen zählen, wuchs um 7,1%, was in etwa auch dem Durchschnitt der Nachkrisenjahre entspricht.

Dabei entstanden fast 70% des Vermögenzuwachses durch Wertveränderungen im Bestand (inbesondere bei Aktien), nur gut 30% entfielen auf tatsächliche Mittelzuflüsse. Das entspricht auch dem Verhältnis im Euroraum, während dagegen in Deutschland im Durchschnitt der letzten fünf Jahre nur gut ein Viertel des Vermögenswachstums auf Wertveränderungen im Bestand zurückgeht. Seit 2012 hätten die deutschen Sparer sogar etwa 310 Mrd. Euro aus Arbeitseinkommen in den Vermögensaufbau geleitet.

Indessen legten sie hierzulande wie auch weltweit ihr Geld trotz niedriger Zinsen lieber bei den Banken an, als in den sich immer weiter aufblähenden Aktienmarkt (der derzeitige Geldvermögenstreiber) zu investieren. Privatanleger suchten eher nach Sicherheit und verkauften per Saldo Aktien.

Stärkere Negativzinsen fördern Investitionen

Eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre sieht die Allianz daher in der Frage: „Wie schaffen wir die Bedingungen, dass Privatanleger nicht nur sparen, sondern langfristig und mit Gewinn investieren? Vor dem Hintergrund des notwendigen Aufbaus von Altersvorsorgevermögen einerseits und einem hohen Investitionsbedarf andererseits machen wir derzeit aus den Möglichkeiten des globalen Reichtums zu wenig.“ – Die Antwort, wie der Reichtum für die Gesellschaft nutzbar gemacht werden kann, sollte eigentlich allen klar sein: Investiert, ohne weitere Schulden aufzubauen, wird nur bei ausreichend hohen Negativzinsen. Die Negativzinsen sollten daher ausgeweitet werden.

Solange dies nicht geschieht, kann am Ende auch die Allianz nur zu dem Schluss kommen: „Trotz des Entstehens einer neuen globalen Vermögensmittelklasse ist die Welt als Ganzes jedoch noch weit von einer ‚gerechten‘ Vermögensverteilung entfernt.“ Denn teilt man die Bevölkerung in den untersuchten Ländern in globale Bevölkerungsdezile nach Netto-Geldvermögen pro Kopf ein, ergibt sich daraus folgende Verteilung: Die reichsten zehn Prozent der Welt vereinen 79% der Netto-Geldvermögen auf sich. Im Jahr 2000 lag diese Vermögenskonzentration allerdings noch bei 91%. Der Rückgang ist vor allem den gesunkenen Zinsen zu verdanken, und mit jeder weiteren Zinssenkung wird die globale Verteilung der Geldvermögen gerechter.