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Negativzinsen werden Normalität

Unternehmer verzichten auf Klagen und Verbraucherschützer kämpfen für den Profit einiger weniger Spekulanten. Die Finanzwelt steht scheinbar auf dem Kopf. Im Bewusstsein der Menschen sind die Negativzinsen offensichtlich angekommen, einige Ideologen tun sich allerdings weiterhin schwer mit dem Paradigmenwechsel.

 

Seit 2016 leiten einige Banken Kosten, die ihnen durch Negativzinsen entstehen, an die Verursacher weiter. Große liquide Guthaben werden mit einem »Verwahrentgelt« belastet. Entgegen aller Erwartungen reagierten die Anleger gelassen. Die FAZ titelt sogar: »Bankkunden gewöhnen sich an die Negativzinsen«. Viele klagende Unternehmen haben sich mit ihrer Bank außergerichtlich geeinigt. Anleger haben liquide Geldmittel umgeschichtet, um die Hortungsgebühren zu vermeiden.

Die positiven Erfahrungen der Raiffeisenbank Gmund, der Alternativen Bank Schweiz und anderer haben Nachahmer auf den Plan gerufen. Für immer mehr Geldinstitute ist nicht mehr die Frage, ob, sondern wie Negativzinsen eingeführt werden können, entscheidend. Negativzinsen verursachen den Geldinstituten Kosten in Millionenhöhe, die von ganz wenigen Geldhaltern durch die millionenschwere Ausweitung ihrer Liquidität verursacht werden. Viele Institute, wie die GLS-Bank in Bochum, haben diese Kosten zu gleichen Teilen auf alle Girokontobesitzer abgewälzt. Mit diesem unsozialen Schritt verlieren sie aber zunehmend an Attraktivität bei der breiten Schicht der Normalkunden.

Verbraucherzentrale gegen Bürgerinteressen

Einige Volks- und Raiffeisenbanken und inzwischen auch Sparkassen haben sich entschlossen, die anfallenden Kosten direkt an die Verursacher weiterzuleiten, um alle gewöhnlichen Girokonten-Nutzer zu entlasten. Doch ausgerechnet die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg machte ihnen mit einer Klage einen Strich durch diese Pläne. Die Verbraucherzentrale hat einen juristischen Kniff gefunden, die Einführung von Negativzinsen gerichtlich zu untersagen.

Volkswirtschaftlich ist die Ausweitung von Negativzinsen auf gehortete Liquidität sinnvoll und notwendig. Nur so ist ein Anreiz zu erzeugen, spekulative Geldhortung zu verringern, ohne steigende Inflationsraten und ein steigendes Zinsniveau in Kauf nehmen zu müssen. Damit Geld funktionieren kann braucht es eine Spanne zwischen kurz- und langfristigen Anlagen.

Von den anhaltend niedrigen Zinsen profitieren alle arbeitenden Menschen, alle Rentner und Bezieher staatlicher Leistungen, alle öffentlichen Kassen und nicht zuletzt viele Unternehmen. Es ist schwer nachvollziehbar warum gerade eine Verbraucherzentrale sich für die Belange der Geldspekulanten einsetzt. »Die Bankkunden gewöhnen sich offenbar wohl oder übel mit der Zeit an negative Zinsen«, schreibt die FAZ. Im Unterschied zu vielen Journalisten und etlichen Ideologen haben die Bürger offensichtlich erkannt, dass Niedrigzinsen und Negativzinsen für die Gesellschaft in jeder Hinsicht vorteilhaft sind. Die Gewöhnung an diesen Paradigmenwechsel ist daher vor allem zum Wohle der Allgemeinheit und damit auch zum Wohle des einzelnen Geldbesitzers.

Lesen Sie dazu bitte auch »Eine Billion Einsparungen durch Niedrigzinsen«, »Ignoranz der deutschen Bankenwelt« und »Stabile Währung durch Haltegebühr auf Geld«.

Klaus Willemsen, 5.10.2017

 

Verwendete Quellen:

plus.faz.net/finanzen/2017-09-21/bankkunden-gewoehnen-sich-an-die-negativzinsen/57379.html

www.inwo.de/medienkommentare/eine-billion-einsparungen-durch-niedrigzinsen/

www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/

www.inwo.de/medienkommentare/handelsblatt-bringt-leser-zur-verzweiflung/