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Geldmengenausweitung brachte Japan nicht den gewünschten Erfolg - was jetzt?

"In Japans extremer wirtschaftlicher Notlage ist kaum eine Idee zu radikal", betitelt das Wall Street Journal am 11. Mai einen Beitrag darüber, was jetzt noch helfen könnte, um Japans wirtschaftliche Situation zu verbessern. Die Autorin Eleanor Warnock nennt vier aktuell diskutierte Ideen "aus der Twilight Zone des Central Banking".

Prof. Mitsuhiro Fukao

Prof. Mitsuhiro Fukao

Was sind das für "zwielichtige" Ideen, die nun von renommierten Ökonomen diskutiert werden, weil Japan nach zwanzig Jahren immer noch unter der ökonomischen Stagnation leidet? Warnock listet vier Vorschläge auf und nennt jeweils die mit ihnen verbundenen Hoffnungen sowie eventuelle Pferdefüße:

- Helikoptergeld

- negative Einlagenzinsen

- Steuern auf Bargeld und Einlagen

- erzwungene Lohnerhöhungen

Das sogenannte Helikoptergeld würde es der Regierung erlauben, mehr Geld für Infrastrukturmaßnahmen auszugeben oder als Geschenk an die Bürger zu verteilen. Das würde die Wirtschaft ankurbeln. Allerdings hat die direkte Staatsfinanzierung in den 1930er Jahren in Japan eine Hyperinflation ausgelöst, weshalb man im Land der aufgehenden Sonne diesem Vorschlag mit großer Skepsis begegnet.

Mit einer weiteren Absenkung des Einlagenzinses auf Zentralbankgeld könnten die Geschäftsbanken gedrängt werden, diese an ihre Kunden (Unternehmen wie Privatkunden) weiterzugeben, so dass diese ihr Geld lieber ausgeben oder längerfristig festlegen. Dadurch könnten sogar negative Kreditzinsen ermöglicht werden. Ende Januar 2016 hatte die Bank of Japan einen negativen Einlagenzins von -0,1 % eingeführt. Um den Druck auf die Banken zu erhöhen, müsste der Negativzins allerdings viel weiter ins Minus gehen. Im Text werden -3 % genannt. Wahrscheinlich würden jedoch die Bankkunden vorher schon anfangen, ihr Geld in bar abzuheben und zu horten. Um eine effektive Negativzinspolitik durchzusetzen, müsste eben die bargeldbedingte Zinsuntergrenze, der Zero Lower Bound, überwunden werden. Das betont die INWO ja immer wieder.

Um Lohnerhöhungen zu erzwingen, müsste die Regierung massiv in die Wirtschaft eingreifen, was marktwirtschaftlichen Prinzipien widersprechen würde. Statt Unternehmenssteuern immer weiter zu senken, müssten profitable Unternehmen steuerlich bestraft werden, wenn sie ihre Mitarbeiter nicht an ihren Gewinnen beteiligen. Doch es stellt sich die Frage: Was ist mit den Arbeitnehmern, die in weniger profitablen Bereichen beschäftigt sind? Würden diese dann vom Staat alimentiert?

Was Eleanor Warnock als dritte Möglichkeit nennt, interessiert uns als INWO natürlich am meisten: Japans Regierung könnte Steuern auf Einlagen, Bargeld und "sichere" Assets wie japanische Staatsanleihen erheben. Hier wird ausdrücklich Silvio Gesell als Ideengeber genannt. In jüngster Zeit hat der frühere Zentralbanker Mitsuhiro Fukao, Professor an der Keio University, Bargeldgebühren vorgeschlagen, ermöglicht indem die Regierung das Bargeld durch anonyme Geldkarten mit Ablaufdatum ersetzt. Die Besitzer müssten das Geld ausgeben - oder sie würden es verlieren. Ein solches Geld würde nicht als Sparmittel missbraucht und unter der Matratze gehortet.

Fukao hatte bereits 2005 einen Beitrag zu diesem Thema zur Diskussion gestellt: "The Effects of‘Gesell’ (Currency) Taxes in Promoting Japan’s Economic Recovery", Tokio: Institute of Economic Research of the Hitotsubashi University, Discussion Paper Series No. 94 / Juni 2005.  Im Internet unter: http://hi-stat.ier.hit-u.ac.jp/research/discussion/2005/pdf/D05-94.pdf

"Eine Steuer auf alle sicheren Assets könnte den Konsum stimulieren", wird Fukao im WSJ zitiert. Die Einnahmen aus dieser Steuer könnten von den Reichen zu den Armen umverteilt werden, was deren Ausgaben erhöhen würde.

Die Bedenken, die Warnock gegen diese Maßnahme vorbringt: Solche Ideen entstünden aus purer Verzweiflung. Das ganze Finanzsystem müsste reorganisiert werden, wenn Bargeld durch Geldkarten ersetzt würde.

Ehrlichkeitshalber müsste die Autorin eingestehen, dass eine solche Reorganisation schon seit Jahren im Gange ist und die Kartenzahlung immer weitere Verbreitung findet. Allerdings sind diese Karten bislang personengebunden, selbst die schon existierenden Geldkarten, die vom eigenen Konto aufgeladen werden. Wäre es da nicht ein großer Fortschritt, das Papiergeld durch tatsächlich anonymisierte Plastikgeldkarten zu ersetzen, die im Verlauf der Zeit an Wert verlieren und dadurch das Geld seinem eigentlichen Zweck zuführen würden: dem Austausch von Waren und Dienstleistungen in einer florierenden Wirtschaft.

 

Lesen Sie dazu auch:

http://www.inwo.de/medienkommentare/rettet-unser-bargeld/

http://www.inwo.de/medienkommentare/migros-bank-fuer-die-erprobung-von-geldhaltegebuehren/

http://www.geldreform.eu/stabile-waehrung-durch-haltegebuehr-auf-geld/

 

Quelle:

http://www.wsj.com/articles/in-japans-economic-extremity-few-ideas-are-too-extreme-1462964361