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Häufig gestellte Fragen

Sie haben ja viele Informationen auf Ihrer Internetseite. Können Sie nochmal kurz zusammenfassen, was Sie wollen?

Wir wollen auf die negativen Auswirkungen aufmerksam machen, die von unserer Geldordnung auf Wirtschaft und Gesellschaft ausgehen. Im Vordergrund stehen dabei die Probleme, die das Geldsystem in den Bereichen soziale Sicherheit, Umweltschutz, Friedenssicherung und wirtschaftliche Stabilität verursacht. Wir kritisieren, dass das heutige Geldsystem zu einer zunehmenden Konzentration von Vermögen führt.

Unser Ziel ist ein verteilungsneutrales Geld, das in den genannten Bereichen weitreichende positive Auswirkungen haben wird.

Sie wollen also den Zins abschaffen?

Keinesfalls.

Wir streben eine Geldordnung an, in der die Zinsen schrittweise gegen Null absinken, wie es in einem funktionierenden Geldmarkt selbstverständlich sein müsste.

Die Funktion des Zinses, das Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Kapitalmarkt anzuzeigen, bleibt erhalten. Als Einkommensquelle wird der Zins jedoch bedeutungslos.

Aber da werden die Banken nicht mitmachen - die leben ja vom Zins!

Das wird meist so gesehen, ist aber nicht zutreffend. Die Banken leben u. a. von der Differenz zwischen Soll- und Habenzinsen. Diese Differenz bleibt auch dann bestehen, wenn die Habenzinsen gegen Null tendieren oder sogar negativ werden. Mit der Vermittlung und Absicherung von Krediten werden die Banken auch bei sinkenden Zinsen Geld verdienen.

 

(vgl. hierzu: Helmut Creutz, "Das Geldsyndrom", Kapitel 5)

Wie soll dieses verbesserte Geld funktionieren?

Unser Geld soll mit einem "Umlaufantrieb" versehen werden. Der Antrieb besteht aus einer Gebühr, die fällig wird, wenn man Geld zurückhält. Mit dieser Gebühr wird Druck auf Geldhalter ausgeübt, ihr Geld auch bei niedrigen oder negativen Zinssätzen auszugeben, langfristig anzulegen bzw. zu investieren.

Spekulative Geldzurückhaltung wird also unattraktiv gemacht. Dies führt im Idealfall zu Zinssätzen um null Prozent.. Zugleich gehören die heute üblichen Zins- und Preisniveauschwankungen der Vergangenheit an.

Welche Gelder sind von der Gebühr betroffen?

Die Gebühr ist auf das sogenannte Zentralbankgeld zu erheben. Dies besteht einerseits aus Bargeld und andererseits aus den Beständen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank.

Und was passiert dann mit meinem Giroguthaben?

Auf Giroguthaben sollten von staatlicher Seite beziehungsweise von Seiten der Zentralbank aus keine direkten Gebühren erhoben werden. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Banken die nun geänderten Konditionen des Geldmarktes (auf dem das für Banken „lebensnotwendige“ Zentralbankgeld gehandelt wird) an ihre Kunden weitergeben werden.

Die Bankgebühr auf Girokonten dürfte etwas geringer als die Gebühr auf das Bargeld ausfallen.

Wie soll das Ganze technisch umgesetzt werden?

Es gibt verschiedene technische Möglichkeiten, eine Umlaufsicherung auf Bargeld einzuführen (Klebemarken, Auslosung umzutauschender Scheine, …). Einige Möglichkeiten werden von Thomas Seltmann in HumaneWirtschaft beschrieben.

Glauben Sie, dass Sie die Leute dafür gewinnen können, Ihre Forderung nach einer Gebühr für die Geldhaltung zu unterstützen?

Ja, durchaus. Denn sie werden dadurch von den großen Zinslasten befreit, die sie laufend über Preise, Steuern und Mieten zu tragen haben. 80 bis 85% aller Haushalte haben heute mehr Zinslasten zu tragen, als sie über ihre Sparguthaben einnehmen. Dies sind enorme Kosten. Die Umlaufgebühren sind im Vergleich zu den heutigen Zinslasten verschwindend gering.

Wer spart denn noch, wenn es keine Zinsen mehr gibt?

Sparen resultiert zunächst aus der Absicht, Beträge für größere Anschaffungen wie ein eigenes Haus oder Rücklagen für das Alter anzusammeln. Diese Motive für das Sparen Form des Sparens gibt es auch ohne Zinsen, vor allem, wenn die Kaufkraft des Geldes stabil gehalten wird.

Wenn in einer Gesellschaft der Zinsen wegen gespart wird, wird bereits zu viel gespart. In der Folge kommt es zur Überentwicklung der Geldvermögen, der Verschuldung und des Wirtschaftswachstums.

Und was ist mit meiner Altersvorsorge?

Die staatliche, umlagefinanzierte Rente wird sicher, da mit den sinkenden Kapitalerträgen die Löhne und somit die Sozialbeiträge steigen.

Die private, kapitalgedeckte Altersvorsorge wird heute von den Versicherungsgesellschaften an den Finanzmärkten, insbesondere in Staatsanleihen, angelegt. Sie basiert auf der Illusion der ewig wachsenden Kapitalvermögen. Eine langfristig stabile Wirtschaft macht auch die private Altersvorsorge sicherer.

Aber bei niedrigen Zinsen geht doch das Geld ins Ausland?

Zunächst einmal muss man sein Guthaben vor der Anlage im Ausland auf dem Devisenmarkt umtauschen. Es muss also einen Tauschpartner geben, der genau das Umgekehrte will: Jemand, der im Niedrigzinsland einkaufen, direkt investieren oder wegen der stabilen Lage anlegen will. Die Währung bleibt also im Land.

Wegen des Umtausches löst allein eine Zinsdifferenz auch noch keine Kapitalflucht aus, denn der inländische Anleger, der sein Geld im Ausland anlegen will, muss auch noch die Wechselkursentwicklung berücksichtigen. Da es in umlaufgesicherter Währung praktisch keine Inflation gibt, wird diese langfristig im Vergleich zu anderen Währungen aufgewertet. Die Kapitalflucht dürfte also nur kurzfristiger Natur sein, sofern sie überhaupt in nennenswerter Größenordnung eintritt.

Demgegenüber erhöht die kurz- bis mittelfristige Abwertung die Exportchancen der einheimischen Wirtschaft, denn für Ausländer sind deren Produkte nun billiger. Zudem werden durch die niedrigen Zinsen im Inland Realinvestitionen gefördert, denn Investitionskredite für Firmen verbilligen sich. Wenn die Unternehmen nun auch noch mit einer stabilen Nachfrage rechnen können – wie mit dem umlaufgesicherten Geld zu erwarten - werden also zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

Dann soll man also sein ganzes Geld immer ausgeben?

Keinesfalls! Man soll und wird immer auch sparen, wenn man im Augenblick oder für längere Zeit zu viel Geld hat. Man soll es nur nicht in Form von Geldscheinen zu Hause oder in einen Tresor legen, da eine solche Geldhortung die aktive Geldmenge verringert und eine Lücke in der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen schafft. Ersparnisse bei den Banken werden dagegen immer weiterverliehen, wodurch der Geldkreislauf geschlossen bleibt.

Und wie ist das mit Aktien?

Aktien sind Beteiligungspapiere ohne Rückzahlungsanspruch, also mit vollem Risiko. Solange Sachkapitalien - auch bei übersättigten Märkten - eine Rendite abwerfen, ermöglichen auch Aktien leistungslose Einkommen. Langfristig orientieren sind Aktienrenditen aber an den Kapitalmarktzinsen als konkurrierender Finanzierungsquelle von Unternehmen. Daher werden bei langfristig sinkenden Zinsen auch die Aktienrenditen zurückgehen. Ein angemessener Risikoaufschlag bleibt allerdings erhalten.

Grundsätzlich ist das gültige Aktien- und GmbH-Recht kritisch zu betrachten, da hiermit Haftungsrisiken systematisch auf andere abgewälzt werden.

Uns ist es doch noch nie so gut gegangen!

Sicherlich geht es vielen wirtschaftlich gut - aber zu welchem Preis und wie lange noch? Bei der Beurteilung muss man die hohen Schuldenlasten sowie die Verschlechterung der Lebensbedingungen durch Umweltverschmutzung und Lebensraumzerstörung berücksichtigen. Im übrigen gibt es neben dem Wohlstand zunehmend mehr Armut und Elend, sowohl außerhalb der Wohlstandsinseln als auch in den Wohlstandszentren. Hier handelt es sich um eine stetige Scherenöffnung. Es wird darauf ankommen, was am Ende dieser Entwicklung geschieht.

Sie wollen die Marktwirtschaft abschaffen?

Genau umgekehrt: Durch die Beseitigung von strukturellen Monopolen wollen wir die Marktwirtschaft fairer gestalten und stärken.

Wir wollen mit unseren Vorschlägen ein neutrales und gerechtes Geld - sowie ein soziales Bodenrecht schaffen. Wir möchten eine monopolfreie Marktwirtschaft, mit fairem, freiem Wettbewerb und wirksamem Umweltschutz. Mit diesen Veränderungen werden nicht alle gesellschaftlichen Probleme gelöst werden. Doch nur unter den Bedingungen einer fairen Geldordnung werden viele wünschenswerte Entwicklungen überhaupt erst möglich.

Kann eine Gebühr auf Geld gegen die ungeheure Größe und Dynamik der Finanzmärkte wirklich etwas ausrichten?

Davon gehen wir aus.

Ein grundlegendes Problem unserer Finanzmärkte besteht darin, dass Geldvermögen und Schulden schneller wachsen als die Wirtschaftsleistung. Je größer der Überhang wird, desto schwieriger wird es für Anleger, sichere Anlagen zu finden. Ein stetig wachsender Anteil wird einem stetig zunehmenden Risiko ausgesetzt. Parallel dazu wird immer mehr Geld kurzfristig „geparkt“, was die Instabilität der Märkte vergrößert. Die Gebühr sorgt dafür, dass an Sicherheit interessierte Anleger auch bei Renditen um null Prozent ihr Geld langfristig ausleihen.

Hilft die Gebühr auf Geld, Inflation zu vermeiden?

Ja. Seit Jahren geben die Notenbanken mehr Geld heraus, als für das Gleichgewicht zwischen Geld- und Wirtschaftsleistung angemessen wäre. Dieses Mehr sind die im wahrsten Sinne des Wortes „überflüssigen“ Kassenbestände, die – plötzlich ausgegeben – Inflationen auslösen können. Durch die Gebühr wird eine Vergleichmäßigung des Geldumlaufs erreicht. Kassenbestände werden auf ein Mindestmaß reduziert.

Für die Geschäftsbanken bedeutet die Gebühr einen zusätzlichen Kostenfaktor. Gleichzeitig ermöglicht sie ihnen aber, sich auch bei niedrigen Zinssätzen auf dem Kapitalmarkt ausreichend zu finanzieren. So kann die Notenbank über die Gebühr die Herausgabe neuen Geldes automatisch bremsen, ohne eine Kreditklemme im Bereich der Geschäftsbanken zu riskieren. Konkret bedeutet dies, dass die Zentralbank die Refinanzierungszinsen deutlich unter null Prozent senken kann, ohne eine erhöhte Inflationsrate zu riskieren.

Unberührt bleiben jedoch Preisniveausteigerungen, die z.B. auf gestiegene Preise für Importgüter zurückzuführen sind.

Niedrige Zinsen ermöglichen mehr Investitionen. Werden Ihre Ideen nicht dazu führen, dass noch mehr nutzlose und schädliche Produkte hergestellt werden?

Diesen Gefahren kann durch entsprechende Öko- bzw. Verbrauchssteuern begegnet werden. Mit sinkenden Zinsen lässt der Wachstumsdruck nach, dem alle verschuldeten Unternehmen (und das sind fast alle) bei hohen Zinsen unterliegen. Erst wenn dieser Druck wegfällt, werden wirklich wirksame Lenkungsmaßnahmen politisch durchsetzbar. So lange unsere Volkswirtschaften nur bei Wachstum funktionieren, kann sich keine Regierung Maßnahmen gestatten, die zu einer Begrenzung des Verbrauchs führen. Nur ein wachstumsneutrales Geld ermöglicht eine wachstumsneutrale Wirtschaft ohne die bekannten Krisensymptome und ohne das bedrohliche Überwachstum in zahlreichen Branchen. Das heißt, mit der Reform bleibt Wachstum weiterhin möglich, es ist dann aber nicht mehr zwingend notwendig.

Niedrigere Preise könnten dazu führen, dass die Menschen noch mehr kaufen und somit den Ressourcenverbrauch beschleunigen.

Eine geringere Zinslast führt zu niedrigeren Produktionskosten und damit auch zu niedrigeren Verbraucherpreisen. Dementsprechend können die Bürger mehr konsumieren. Die neue gesamtwirtschaftliche Nachfrage kann jedoch auch nicht über den Einkommen liegen und bleibt daher am Ende konstant. In erster Linie verlagert die Kaufkraft sich von den „reichsten 10 Prozent“ zu den 80% der Bevölkerung, die wenig oder keine Zinseinkünfte haben.

Die Beschäftigten haben jedoch zugleich auch die Wahl, entsprechend der Zunahme ihrer Kaufkraft ihre Arbeitszeit zu verkürzen. So könnten die Gewerkschaften für das Recht auf 30-Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich streiten. Letztlich schafft eine gerechte Verteilung der Einkommen nur eine Voraussetzung, ökologische Probleme sinnvoll und nachhaltig angehen zu können. Automatisch gelöst sind diese Fragen durch eine Geldreform allein jedoch nicht.

Was ist von ökologischen Geldanlagen zu halten?

Ökobanken und Ökofonds lenken Gelder in eine positive Richtung. Leider ist dies nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Als Ansatz zum Umdenken sind diese Formen begrüßenswert. Die Hoffnung aber, auf diese Weise die vom kapitalistischen Geldmarkt verursachten Problementwicklungen unterlaufen zu können, sind vergeblich.

Kann denn ein Land alleine sein Geld verändern?

Jedes Land (die Euro-Zone ist in diesem Zusammenhang als ein Land zu verstehen) ist für seine Währung selbst verantwortlich und bestimmt alleine deren Kaufkraft und Stärke. Wir sehen das an den Inflationsraten in der Welt, die von Null bis 30.000 Prozent reichen. Ähnliches gilt für die Zinsen. So wie ein Land heute sein Inflationsgeld selbst macht, kann es auch zu einer Inflation von Null Prozent übergehen, d. h. zu absolut stabilem Geld - genau das bedeutet der Begriff Währung. Wenn entsprechende Maßnahmen irgendwo umgesetzt werden, wird es vermutlich nicht lange dauern bis andere Länder nachziehen.

Mir ist das Ziel jetzt klar, aber um das zu erreichen, muss man vermutlich erst die Menschen ändern!

Wenn ein technischer Fehler vorliegt (z. B. eine falsch programmierte Ampelanlage an einer Kreuzung), braucht man die Menschen nicht zu ändern, sondern nur die Fehlsteuerung. Auch beim Geld liegt solch ein technischer Steuerungsfehler vor.

Im übrigen hat - nach unserem Verständnis - niemand das Recht festzulegen, wie sich andere Menschen ändern sollen. Wohl aber kann jeder helfen, die Bedingungen zu ändern, die heute das Verhalten der Menschen negativ beeinflussen. Eine sich entwickelnde, lebendige Gesellschaft wird sich immer auch darüber Gedanken machen, inwiefern ihre Rechtsgrundlagen wünschenswert und sinnvoll sind. Eine zerstörerische und ungerechte Wohlstandsverteilung wird daher zwingend auf dem Prüfstand stehen.

Und was kann jeder Einzelne tun?

Wie bei anderen gesellschaftlichen Aufgaben (Umweltschutz, Friedenssicherung...) kann sich jeder zunächst einmal sachkundig machen. Möglicherweise geschieht dies entgegen der herrschenden Meinung und im Widerspruch zu den Meinungsmachern, die schließlich täglich ihre Hilflosigkeit gegenüber den gegebenen Problemen aufs Neue beweisen. Nach einer Aufklärungsphase kann die Phase der politischen Willensbildung beginnen. Hierbei sind Vereine und Verbände gefordert, die entsprechende Kampagnen organisieren und koordinieren können.

Unterstützen Sie die INWO durch eine Mitgliedschaft, durch Ihre Mitarbeit oder durch Spenden. So versetzen Sie uns in die Lage, die notwendige Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit zu leisten.

Warum soll die vorgeschlagene Wirtschaftsordnung „natürlich“ sein?

„Die Wirtschaftsordnung, von der hier die Rede ist, kann nur insofern eine natürliche genannt werden, als sie der Natur des Menschen angepasst ist. Es handelt sich also nicht um eine Ordnung, die sich etwa von selbst, als Naturprodukt einstellt. Eine solche Ordnung gibt es überhaupt nicht, denn immer ist die Ordnung, die wir uns geben, eine Tat, und zwar eine bewusste und gewollte Tat.“

Silvio Gesell im Vorwort zur 3. Auflage der Natürlichen Wirtschaftsordnung (1920).

Text von Helmut Creutz, Klaus Willemsen und Anderen.
Stand: 07.03.12