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INWO: Eine kleine Einführung in die Themenbereiche der INWO

Lesen Sie, was wir wollen und mit welchen Themen wir uns beschäftigen:

  • Arbeitslosigkeit
  • Umwelt und Wachstum
  • Staatsverschuldung und Sozialabbau
  • Die Schuldenkrise der "3. Welt"
  • Gleichberechtigung und Emanzipation

"Genauso wie der Krieg zu folgenschwer ist, um ihn den Generälen zu überlassen, ist die Schuldenkrise zu schwerwiegend, um sie den Finanzleuten und Ökonomen zu überlassen." (Susan George)

Vorwort

Monatlich werden in den Medien die neuesten Arbeitslosenzahlen präsentiert. Es vergeht kaum ein Tag, an welchem nicht über Arbeitslosigkeit, Arbeitslose oder soziale Sicherungen der Arbeitslosen berichtet wird. Es scheint für die Politik nur ein Ziel zu geben: die Zahl der Arbeitslosen zu reduzieren. Fast jedes Mittel, so der Eindruck, ist dafür recht. Doch der Erfolg bleibt aus: Die Zahl der Arbeitslosen steigt immer weiter. Kein Hartz-Konzept, keine Zwangsarbeit bei Sozialhilfe, keine Kürzung der Leistungen lässt die Zahl der Arbeitslosen schrumpfen.

In den Medien wird jedoch nicht nur über die Arbeitslosen diskutiert. Von der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme wie Gesundheit und Rente bis hin zu der Verletzung der Maastricht-Kriterien durch die großen EU - Mitgliedstaaten wird die tägliche Berichterstattung von ökonomischen Fragen durchzogen. Alles wird unverbunden nebeneinander gestellt, kein Thema scheint mit dem anderen in Verbindung zu stehen. Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit hat angeblich nicht viel mit der Entwicklung der Staatsverschuldung oder mit den schwindenden Beitragszahlungen in die sozialen Sicherungssysteme und schon gar nichts mit den sinkenden Nettolöhnen oder gar mit dem Raubbau an der Natur zu tun.

Sind die Parallelen wirklich so zufällig? Liegen diese nicht auf der Hand? Gibt es wirklich keinen gemeinsamen Nenner, keine gemeinsame Ursache, die den diversen ökonomischen Schwierigkeiten zugrunde liegt?

Was wir wollen

Ein Großteil der gesellschaftlichen und ökonomischen Probleme, die wir heute erleben, sind einer fehlerhaften, d.h. ungerechten, ineffizienten und instabilen Geld- und Bodenordnung zu verdanken. Treibende Kraft vieler Fehlentwicklungen ist das permanente Anwachsen von Geldvermögen und Schulden, welches durch den Zinseszinsmechanismus erzeugt wird. Die Zinsen fressen nach und nach unseren Wohlstand auf, bis die gesamte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung in die Krise gerät. Wie ist dies möglich?

Im Gegensatz zur Arbeit oder zu produzierten Waren zeichnet sich unser Geld durch fehlende Kosten der Geldhaltung aus. Dies führt zu einer Überlegenheit des Geldes über die Waren und die Arbeit. Diese Überlegenheit ist die Ursache für den Zins und Zinsen lassen die Geldvermögen und Schulden durch den Zinseszinsmechanismus exponentiell wachsen. Nimmt die Fähigkeit einer Volkswirtschaft zu weiterer Verschuldung mit der Zeit ab, können die Geldvermögen und Schulden nicht mehr einfach so weiter wachsen wie bisher. Es kommt in zunehmendem Maße zu Nachfrageausfällen. Die Wirtschaft schliddert unaufhaltsam in die Krise, an deren Ende meist auch die Vernichtung von verbrieftem Vermögen steht.

Unser Ziel ist eine marktwirtschaftliche Gesellschaftsordnung ohne kapitalistische Verzerrungen. Wir wollen, dass die Überlegenheit des Geldes über die Arbeit und die Ware überwunden wird. Das Geldkapital soll durch eine Gebühr dazu gezwungen werden sich auch bei niedrigen Zinsätzen für langfristige Anlagen zur Verfügung zu stellen (siehe "Knöllchen für die Spekulanten"). Zinssätze um Null Prozent sowie eine inflationsfreie Währung werden so möglich. Der allgemeine Wohlstand wird nachhaltig gesichert.

Ferner fordern wir, durch eine Bodenreform die Bodenspekulation zu überwinden. Der Boden ist kein durch Arbeit herstellbares Gut und unterliegt damit nicht den Prinzipien von Angebot und Nachfrage, wie dies reproduzierbare Waren wie Textilien, Kühlschränke oder auch Immobilien tun.

Was versprechen wir uns von einem umlaufgesicherten Geld? Warum halten wir eine Geldreform für so zentral?

Arbeitslosigkeit

Soziale und ökologische Aufgaben bleiben heute zunehmend unerledigt. Immer mehr Menschen arbeiten sich krank und dennoch steigt die Zahl der Arbeitslosen. Die Kaufkraft der Arbeitenden stagniert - trotz ständig wachsender Produktivität. Eine Reduzierung der individuellen Arbeitszeit auf ein wünschenswertes Maß ist unmöglich. Erst mit einer umlaufgesicherten Währung wird Vollbeschäftigung erreichbar, denn niedrigere Zinslasten machen Arbeit bezahlbar!

Im Jahr 2001 betrugen die Zinsgutschriften der Geschäftsbanken in Deutschland 303 Milliarden Euro. Die Summe der Bruttolöhne und -gehälter machte 901 Milliarden Euro aus. Um die 4 Millionen Arbeitslosen mit Durchschnittslöhnen beschäftigen zu können, wären lediglich 100 Milliarden Euro nötig gewesen.

Der Kapitalmarktzins (Umlaufrendite langfristiger Papiere) lag im Jahresdurchschnitt genau bei 5,0 %. Wäre es gelungen, diesen Wert auf durchschnittlich 3,3 % zu senken, wäre die Volkswirtschaft um 103 Milliarden Euro weniger belastet worden. Das hätte den finanziellen Spielraum geschaffen, um vier Millionen Bruttogehälter zu finanzieren. Ein "Null-Zins-Niveau" hätte die Volkswirtschaft sogar um 300 Milliarden Euro entlastet und damit die Kaufkraft der arbeitenden Menschen um ein Drittel gesteigert.

Schwankende Zinssätze belasten die Volkswirtschaft weit mehr, als der angebliche Anstieg der Löhne. Die fortwährend positiven Zinssätze bewirken, dass Kapital nur dorthin fließt, wo Rendite zu verdienen ist, und immer dort fehlt, wo sinnvolle Arbeit bezahlt werden könnte.

Umwelt und Wachstum

In einem begrenzten Raum ist kein unbegrenztes Wachstum möglich! Trotz dieser elementaren Einsicht, trotz der Aktivitäten zahlreicher Umweltschützer in aller Welt, sowie der immer bedrohlicher werdenden globalen Vernichtung der Natur, setzt die herrschende Politik allerorten weiter unbeirrt auf umweltzerstörendes Wachstum. Vor dem Hintergrund der kapitalistischen Ordnung sind alle Entscheidungsträger gezwungen, permanentes Wachstum anzustreben. Die Ursache für diesen politischen Zwang zum Wachstum liegt im Wesen des kapitalistischen Geldes. Weil Geld und Geldvermögen wichtigen marktwirtschaftlichen Prinzipien entzogen sind, bleiben die Zinssätze immer relativ hoch, meist sogar über der volkswirtschaftlichen Wachstumsrate. Die daraus resultierende Zunahme der Geldvermögen erzwingt eine permanente Ausweitung der Sachvermögen und der Investitionen ohne jedoch eine zunehmende Verteilungsungerechtigkeit verhindern zu können. In Folge des zunehmenden Überwachstums der Geldvermögen und Schulden und der damit verbundenen ungleichen Verteilung der Kaufkraft kommt es zu Überproduktion und Nachfrageausfällen. Bei dauerhaft geringen Zins- und Inflationsraten führt das Fehlen einer Umlaufsicherung schließlich zu Stockungen im Geldkreislauf und damit - wie in Japan - zu einer deflationären Krisensituation. Die damit einher gehende Schwächung des staatlichen wie des produzierenden Sektors behindert einen wünschenswerten ökologischen Umbau der Gesellschaft.

Staatsverschuldung und Sozialabbau

Im Bereich des staatlichen Sektors ist die Zinsproblematik mittlerweile sehr deutlich zu sehen. Je höher die Zinssätze sind, umso höher ist die Belastung der öffentlichen Haushalte und umso schneller steigen deren Schuldenberge. Die fälligen Zinszahlungen machen den zweitgrößten Posten im Bundeshaushalt aus. Für das Jahr 1999 bezahlte jeder Erwerbstätige in Deutschland alleine für die Bedienung der Staatsverschuldung im Durchschnitt 1.900 Euro und für die Verzinsung der volkswirtschaftlichen Gesamtverschuldung über 8500 Euro. Beinahe alle Politiker der parlamentarisch vertretenen Parteien behaupten, dass höhere Einnahmen und sinkende Ausgaben die einzigen Wege aus der Überschuldungssituation seien. Bei den Ärmsten wird dann als erstes gekürzt. Die Zusammenlegung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe im sogenannten "Arbeitslosengeld II" bietet hier einen ersten beschämenden Höhepunkt. Wer sich wehrlos zeigt, hat Pech gehabt! Das diese Politik momentan von SPD und GRÜNEN verübt wird, tut dabei kaum etwas zur Sache. Auch die CDU tut sich nicht dadurch hervor nach ernsthaften alternativen Lösungsansätzen zu suchen. Die entscheidende Entlastung kann nur durch sinkende Zinssätze eintreten. Diese wiederum können sich nur dann dauerhaft und in ausreichendem Maße einstellen, wenn eine Geldpolitik ermöglicht wird, die in der Lage ist, das Preisniveau stabil zu halten ohne dabei gleichzeitig deflationäre Risiken einzugehen.

Die Schuldenkrise der "3. Welt"

"Der dritte Weltkrieg hat bereits begonnen - ein geräuschloser, aber deshalb nicht weniger unheilvoller Krieg. Es ist ein Krieg gegen den lateinamerikanischen Kontinent und gegen die gesamte Dritte Welt, ein Krieg um die Auslandschulden. Seine schärfste Waffe ist der Zinssatz, und sie ist tödlicher als die Atombombe." (Luis Ignacio Silva, brasilianischer Präsident und ehem. Arbeiterführer)

Unsere Welt endet nicht am Rhein und auch nicht am Atlantik. Sie endet nicht an den Alpen und nicht am Ural: Die Logik des Guthaben- und Schuldenwachstums ist ein weltweites Problem. Was sich bei uns in Deutschland abspielt, findet auf der weltweiten Ebene seine Entsprechung: Täglich zahlt die sogenannte Dritte Welt über 300 Millionen Dollar Schuldenzinsen an den reichen Norden. Erst die irgendwann einsetzende Zahlungsunfähigkeit stoppt diesen Irrsinn. Das jüngste prominente Beispiel ist hier sicher Argentinien. Vor dem Hintergrund Milliarden schwerer Zinszahlungen wirkt das, was der Westen im Gegenzug an sogenannter Entwicklungshilfe leistet, geradezu zynisch - von der zerstörerischen Wirkung sogenannter Entwicklungskredite mal ganz zu schweigen. Immer mehr bestätigt sich, was Julius Nyerere bereits 1964 sagte: Die Staaten der "3.Welt" sind die "Opfer und die Ohnmächtigen der Weltwirtschaft". Dass eine Änderung der Zahlungsmodalitäten im Bereich der internationalen Verrechnungen grundlegende Verbesserungen schaffen würde, erkannte schon früh der berühmte britische Ökonom John Maynard Keynes. Sein "Bancor-Plan", den er für die Nachkriegszeit 1944 auf der Konferenz von Bretton-Woods als Vertreter Großbritanniens präsentierte und der nicht die Vormachtstellung des Dollars, sondern die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit durch ausgeglichene Zahlungsbilanzen zum Ziel hatte, kam aber damals nicht zum Zuge. Möglicherweise können sich die weniger entwickelten Länder erst mit einer Reform des Zinssystems aus dem Würgegriff der Überschuldung befreien.

Gleichberechtigung und Emanzipation

Die Bereiche, in welche die Geldpolitik hineinragt, lassen sich nicht auf rein ökonomische Fragen reduzieren. Auch gesellschaftliche Themen sind durch die Geldpolitik, wenn auch mehr indirekt, betroffen. So leisten Frauen 65% der Arbeit, ihnen gehören aber nur 10% der Einkommen und 1% des Besitzes! Wie ist es zu verstehen, dass ihre Leistungen in den letzten hundert Jahren kaum aufgewertet wurden? Das Prestige einer Mutter und Hausfrau oder eines sogenannten Hausmannes ist gering. Während mit Spekulationen Milliardengewinne erzielt werden, ist die Bezahlung von sozialer Arbeit nach wie vor miserabel, obwohl gerade Arbeiten wie Kranken- und Altenpflege oder Kindererziehung für eine menschliche und zukunftsfähige Gesellschaft unersetzlich sind.

Machen Sie mit!

Soweit ein erster Einblick in die Themenvielfalt welche sich an die Zinsproblematik anschließt. Falls Sie weitere Informationen wünschen, empfehlen wir ihnen die Themenauswahl unter "aktuelle Beiträge", die Materialsammlung auf www.geldreform.de und Buch "Das Geldsyndrom" von Helmut Creutz.

 

Unser Ziel geht über das rein intellektuelle Aufklären hinaus. Wir, die INWO, wollen die Geld- und Bodenreform real - nicht nur in Diskussionsforen oder auf dem Papier! Wir freuen uns über jeden, der uns das zum Erfolg nötige Maß an Sympathie entgegenbringt. Wir freuen uns noch mehr, wenn Sie die INWO durch eine Fördermitgliedschaft, durch Ihre aktive Mitarbeit oder durch eine Spende handfest unterstützen. Damit versetzen Sie uns in die Lage die Geldkritik zu professionalisieren und die notwendige Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit zu leisten.

von Redaktion - 01. November 2003