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INWO: Die Geld- und Zinsproblematik

Erfahren Sie, wie sich die Geld und Zinsproblematik entwickelt hat und welche Alternative es gibt:

  • Eine kleine ökonomische Analyse
  • Das Geld als die Ursache des Zinses
  • Die Alternative

Es gibt heute praktisch keine Tageszeitung mehr, die nicht über einen mehr oder weniger großen Wirtschaftsteil verfügt und ganze Zeitungen, Zeitschriften, Magazine und zahllose Internetseiten haben sich darauf spezialisiert, alles Geschehen aus dem Blickwinkel der "Wirtschaft" zu betrachten. Tausende von Experten und hunderttausende von Journalisten berichten über ökonomische Abläufe und erteilen der Politik wohlgemeinte Ratschläge. Doch das Primat der Ökonomie gilt nicht nur für Wirtschaftsexperten und -journalisten: Kein Politiker kann es sich heute erlauben, Vorschläge oder Ideen zu präsentieren, die nicht explizit einer ökonomischen Logik gerecht werden. Kein Politiker traut sich mehr eine Entscheidung zu treffen ohne sich von Experten mit "ökonomischen Sachverstand" beraten zu lassen. Bei einer solchen Hinwendung zur Ökonomie, so möchte man annehmen, sollten bald die wesentlichen Schwierigkeiten auf diesem Gebiet gelöst sein oder sich zumindest im Rahmen halten. Doch werden statt dessen die ökonomischen Schwierigkeiten zunehmend gravierender. Doch vielleicht wird einiges klarer, wenn wir die prinzipielle ökonomische Entwicklung kurz zusammenfassen.

Eigentlich müsste es uns ständig besser gehen! Die Wirtschaftsleistung wächst ja schließlich kontinuierlich an. Doch beim Staat, bei den Kommunen, bei den Arbeitern und Angestellten bleibt immer weniger hängen. Trotz Lohnzurückhaltung und der immer größeren Bereitschaft der Arbeitssuchenden auch schlecht bezahlte Jobs bei immer härteren Bedingungen zu akzeptieren, nimmt die Arbeitslosigkeit immer weiter zu. Der Einfluss den die jeweiligen Regierungen auf diese Entwicklung hatten, kann dabei fast vernachlässigt werden. Ob SPD oder CDU in Deutschland an der Macht waren, die Verschärfung der wirtschaftlichen Spannungen lief unabhängig von der jeweiligen Zusammensetzung der Regierungskoalition ab.

Im internationalen Vergleich geht es Deutschland dagegen verhältnismäßig gut. Wir sollten nicht vergessen, dass dieser Wohlstand zum Teil auf Kosten anderer Länder erworben wurde! Mit Hilfe einer systematisch unterbewerteten D-Mark konnte über Jahrzehnte ein gewaltiger Exportüberschuss erzielt werden, für den andere Länder sich bei deutschen Banken, Unternehmen, Privatleuten oder dem Staat verschuldeten. Ganzen Weltregionen wird so die Möglichkeit genommen, eine eigene wirtschaftliche Perspektive zu entwickeln.

Doch trotz der erzwungenen Unterentwicklung vieler Länder werden allmählich die Lebensgrundlagen der Menschheit zerstört. Das Erdöl wird irgendwann verbraucht und das Klima entsprechend aufgeheizt sein. Tausende von Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche werden vertrocknen und verwüsten. Die Flächen, auf denen wir Menschen leben können, verringert sich schon jetzt in vielen Regionen der Welt. Angesichts dieser Entwicklungen kann es nur als ein schlechter Treppenwitz der Geschichte empfunden werden, wenn in den Industrienationen die private Rentenvorsorge bei entsprechender Verzinsung propagiert wird, während die Ressourcen, die in 30 oder 50 Jahren zur Erwirtschaftung dieser dann fälligen Rentenzahlung benötigt werden, immer knapper und teurer werden. Auch geraten die Banken, die diese Verzinsung garantieren sollen, immer mehr ins Straucheln, wie auch die Wirtschaft im allgemeinen nicht mehr in der Lage ist, Wachstumsraten zu realisieren, die den Zinssätzen entsprechen.

Was kann diesen grundsätzlich Missständen zu Grunde liegen?

Eine kleine ökonomische Analyse

Von der gewachsenen Wirtschaftsleistung bekommen die Arbeitenden und diejenigen, die gerne arbeiten würden, immer weniger. Dies ist der entscheidende Punkt! Dies hängt direkt damit zusammen, dass diejenigen, die schon nicht mehr auf Erwerbsarbeit zur Bestreitung des Lebensunterhaltes angewiesen sind, automatisch immer reicher werden. Diese leisten dafür keine bessere Arbeit als die übrigen, sondern ihr Reichtum wächst nur aufgrund ihres schon bestehenden Vermögens! Damit diese Umverteilung stattfinden kann, bedarf es nichts weiter als eines Zinssatzes, der über der Wachstumsrate einer Volkswirtschaft liegt und der zusätzlichen Bedingung, dass ein bestimmter Teil der Zinseinnahmen nicht zu Konsumzwecken verwendet, sondern wieder angelegt, also gespart, wird. Eine kleine Beispielrechnung soll dies verdeutlichen:

Herr Glücklich hat ein Vermögen von, sagen wir, 100 Mio. Euro. Der Zinssatz betrage der Einfachheit halber konstant 4%, wobei Herrn Glücklichs bescheidener Eigenverbrauch bei 0,5% seines Vermögens, also 500.000 Euro im ersten Jahr, liegt. Ihm bleiben so nach Abzug der Konsumausgaben immer noch 3,5% Vermögenszuwachs, 3,5 Mio. Euro, die er wiederum seinem Vermögen zuführt, also spart. Sein Vermögen beträgt damit nach einem Jahr 103,5 Mio. Euro, ohne dass er hierfür auch nur einen Tag hätte arbeiten müssen. Wenn er nun - der Einfachheit halber - hiervon wiederum 0,5% zu Konsumzwecken verwendet - jetzt 517.500 Euro - wächst sein neues Vermögen wiederum mit 3,5% - dies sind inzwischen etwas mehr als 3,6 Mio. Euro - auf über 107,1 Mio. Euro an. Angenommen, dies setzt sich über 50 Jahre fort. Nun sind durch Zins und Zinseszins die 100 Mio. Euro auf 558,5 Mio. Euro angewachsen ohne dass Herr Glücklich dafür einen Tag hätte arbeiten oder sich besonders einschränken müssen. Auch sein Konsum ist in dieser Beispielrechnung auf das über 5,5-fache angestiegen. Bei höherem Zinssatz oder geringerem Verbrauch hätte sich sein Vermögen entsprechend schneller vermehrt. Bei 5% Zinsen ohne Verbrauch, bzw. 5,5% Zinsen mit 0,5% Verbrauch, wäre sein Vermögen im gleichen Zeitraum auf mehr als das 11-fache angewachsen. Herr Glücklich hat also mit hohen Zinssätzen kein besonderes Problem. Doch wie sieht es für jene aus, die keine Vermögen in Millionenhöhe angelegt haben? Was haben diese mit dem ominösen Vermögenszuwachs zu tun?

Die Antwort hierauf ist ziemlich einfach: Diejenigen, die nur ein geringes oder gar kein Vermögen haben, müssen die Zinseinnahmen der großen Vermögen erarbeiten, denn: Es gibt kein Vermögen ohne eine Schuld in entsprechender Größe. Das Vermögen Herrn Glücklichs kann z.B. eine Schuld einer oder mehrerer Banken sein. Den Schulden der Banken aber stehen Kredite an Unternehmen, den Staat oder auch an private Haushalte gegenüber. Die Zinsen, die die Banken an die Besitzer der Vermögen zahlen, werden damit aus den Zinsen finanziert, die die Unternehmen, der Staat oder die privaten Haushalte an die Banken abführen. Die Unternehmen und der Staat müssen wiederum die Zinsen neben ihren Kosten für Maschinen, Rohstoffe und Arbeiter bzw. Angestellte aus dem Erlös ihrer Produkte finanzieren. Somit ist in jedem Preis ein Anteil für die Zinszahlungen einkalkuliert, den die Unternehmen an die Banken und die wiederum an die Vermögensbesitzer abführen müssen. In vergleichbarer Weise finanziert der Steuerzahler die Zinsausgaben des Staates. Wer regelmäßig einkauft oder Steuern zahlt, sorgt damit für den Vermögenszuwachs von Menschen wie Herrn Glücklich und dies nicht zu knapp: Der Zinsanteil in den Preisen liegt zwischen 12% bei der städtischen Müllabfuhr und 70% bei den Mieten. Im Durchschnitt beträgt er 30% bis 40%.

Das Problem liegt nicht nur in den Zinszahlungen an sich, sondern, wie aus obiger Beispielrechnung hervorgeht, im ständigen Anwachsen dieser Zahlungsflüsse. Herr Glücklich bekommt nach 50 Jahren ja mehr als das 5-fache der ursprünglichen Zinszahlungen bei einem jährlichen Vermögenszuwachs von 3,5%. Dieses Wachstum muss von anderen erbracht werden, denn wenn dies nicht geschieht, wird Herr Glücklich sein Vermögen nicht mehr anlegen und damit den Geldkreislauf blockieren. Das Ergebnis wäre ein Nachfrageausfall mit entsprechenden Folgen, wie Arbeitslosigkeit und Pleiten von Unternehmen, was im Extremfall zu einer Deflationskrise führt. Um diese ständige Krisendrohung abzuwenden, wird von gesellschaftlicher und politischer Seite ständig nach neuen Investitionsmöglichkeiten gesucht. Der Zweck bzw. der "Sinn" dieser Investitionsstrategie besteht deshalb auch nicht darin, die Einkommen der arbeitenden Menschen und so den allgemeinen Wohlstand zu erhöhen, sondern durch ein entsprechendes Wachstum der Wirtschaft das Wachstum der Schulden und damit der Geldvermögen zu ermöglichen. Nur so kann der Geldkreislauf wenigstens vorübergehend geschlossen werden. Diese Strategie hat in der BRD und den meisten anderen Industriestaaten über einen gewissen Zeitraum funktioniert, doch schwinden zunehmend die Möglichkeiten ein weiteres Wirtschaftswachstum zu gewährleisten. Wir stehen nicht mehr vor der angeblichen Wahl zwischen dem sozialen Kollaps und der Plünderung unserer Lebensgrundlagen, sondern handeln immer mehr nach dem Prinzip: sowohl als auch!

Die Frage, die sich damit stellt, ist: Woher kommt überhaupt der Zins? Weshalb gleicht er sich, wie es in einem Marktgleichgewicht der Fall sein sollte, nicht der Wachstumsrate an und fällt mit dieser bei sich sättigenden Märkten gegen null? Wie ist es möglich, dass der Zins als der angebliche "Preis für Kapital" solche verheerenden Folgen nach sich zieht, während es nur schwer vorstellbar ist, dass ein anderer Preis, wie etwa derjenige für Baumwollhandschuhe oder Erdnüsse, ähnliches bewirken könnte?

Das Geld als die Ursache des Zinses

Der Zins ist so alt, wie unsere Geschichtsschreibung und genauso alt sind die regelmäßigen Krisen, von denen die Volkswirtschaften von der Antike bis zur Neuzeit heimgesucht werden - auch wenn jede Krise meist ihren eigenen Verlauf und ihre Besonderheiten hat. Woher kommt also der über Null bzw. über der Wachstumsrate liegende Zinssatz, was hat es mit ihm auf sich? Die Antwort hierauf ist genauso ungewohnt wie vertraut: Der Zins, der sich über die letzten 5000 Jahre meist in dem relativ schmalen Band zwischen 2,5% und 8,5% bewegte, resultiert aus dem Geldsystem bzw. dem Geld! Wie ist das zu verstehen, wieso spielt dies eine Rolle?

Im Unterschied zum Geld verursachen alle Waren Lagerkosten, verderben oder werden auf andere Weise unbrauchbar. Der Warenbesitzer steht unter einem gewissen Druck, seine Waren zu verkaufen. Ebenso stehen die Menschen, die vom Ertrag ihrer Arbeit leben, unter Druck ihre Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt anzubieten. Der Geldverleiher dagegen kann sein Geld vom Markt nehmen, wenn ihm die gebotene Zinshöhe zu gering erscheint. Die dadurch entstehenden Kosten bleiben bei geringer Inflationsrate für ihn unbedeutend. Das Geld aber, welches nicht auf dem Markt erscheint, hinterlässt ein Loch im Wirtschaftskreislauf. Den Waren- und Arbeitsanbietern entstehen Kosten, die nicht ausgeglichen werden können, wobei schon die Drohung vor diesem möglichen Verlust die Bereitschaft entstehen lässt, für die leihweise Überlassung von Geld (indirekt) Zinsen zu zahlen. Die Unternehmen, die sich Geld zum Investieren leihen, spielen bei der Frage nach der Erwirtschaftung des Zinses lediglich die Mittlerfunktion. Die Unternehmer reichen die Zinskosten einfach an die Konsumenten weiter. Solange die Unternehmen bereit sind, sich in entsprechendem Maße zu verschulden, kann auch der Geldkreislauf geschlossen werden. Die Möglichkeiten einer Konsumentenverschuldung sind dagegen nur aus praktischen Gründen begrenzt.

Dieses hier in aller Kürze wiedergegebene Argument, kann auch wie folgt zusammengefasst werden: Geld wird im Marktprozess von Angebot und Nachfrage gebraucht, ist dabei aber selber nicht dem Prinzip von Angebot und Nachfrage unterworfen! Die Nachfrage nach Geld als die Summe geplanter Warenverkäufe und Lohnzahlungen ist im wesentlichen starr, d.h. sie lässt sich nur unfreiwillig verringern. Das Angebot an Geld - gleichbedeutend mit der volkswirtschaftlichen effektiven Nachfrage - kann (und sollte) dagegen nicht ohne weiteres ausgedehnt werden, da ansonsten z.B. die Inflation unkontrolliert zunehmen würde. Da das Geldangebot aber aufgrund fehlender Durchhaltekosten sich ständig zusätzlich zu verringern und damit die Nachfrage abzuwürgen droht, kann es eine "Geldrente", den Geldzins, "am Markt" durchsetzen. Kurz: Das Geld, so wie wir es kennen, ist der Ware und der Arbeit "überlegen". Soll der Zins überwunden werden, ist die Überlegenheit des Geldes über die Arbeit und die Ware zu überwinden.

Doch wie ist dies möglich? Wie kann Geld "neutralisiert" werden?

Die Alternative

Der Zins ergibt sich aus der Beschaffenheit des Geldes. Er ist keine eigenständige Erscheinung, der sich mit Moral, etwa in Form der traditionellen Zinsverbote, beikommen lässt. Die Ursache des Zinses liegt in den fehlenden Durchhaltekosten des Geldes und nicht in einer nebulösen willkürlich definierten "Schlechtigkeit des Menschen" oder einer nicht minder moralischen (!) und ominösen "Gegenwartspräferenz" im Sinne der heutigen Lehrbuchökonomie. Der Zins lässt sich nur neutralisieren, indem das Geld um die fehlenden Durchhaltekosten ergänzt wird, mit der die Arbeit und die Waren explizit oder implizit immer schon belegt sind. Verliert Geld regelmäßig an Wert, dann wird der Geldverleiher in dem er nur keine Verluste erleiden will, bereit sein, sein Geld auch zu niedrigen Zinsen anderen leihweise zu überlassen. Bisher haben schwankende und z.T. recht unkontrollierbare Inflationsraten zwar diese Funktion immer mal wieder übernommen; es ist jedoch unklar, weshalb wir uns ständig an ändernde Preise gewöhnen oder darauf achten müssen, dass der Lohn für die eigene Arbeit in gleichem Umfange wie das allgemeine Preisniveau steigt. Mit Duchhaltekosten auf Geld in Form einer Geldgebühr kann dagegen ein leichter Druck auf die Geldverleiher ausgeübt werden. Hierdurch verstetigt sich die Warenzirkulation und das ständige Auf und Ab der Wirtschaftskrisen wird weitgehend vermieden. Auch ergeben sich aus dieser Durchhaltegebühr ganz neue Möglichkeiten für die Geldpolitik der Zentralbanken, um z.B. das Preisniveau stabilisieren zu können.

Machen Sie mit!

Selbstverständlich lassen sich manche Aspekte und Fragen weiter ausführen. Wir hoffen dennoch, dass wir Ihnen einen ausreichenden Eindruck von unserer Sichtweise der Ökonomie und speziell des Geldes vermitteln konnten. Falls Sie weitere Informationen wünschen, empfehlen wir ihnen unsere TEXTE, die Materialsammlung auf www.geldreform.de und das Buch "Das Geld-Syndrom" von Helmut Creutz.

Unser Ziel geht über das rein intellektuelle Aufklären hinaus. Wir, die INWO, wollen die Geld- und Bodenreform real - nicht nur in Diskussionsforen oder auf dem Papier! Wir freuen uns über jeden, der uns das zum Erfolg nötige Maß an Sympathie entgegenbringt. Wir freuen uns noch mehr, wenn Sie die INWO durch eine Fördermitgliedschaft, durch Ihre aktive Mitarbeit oder durch eine Spende handfest unterstützen. Damit versetzen Sie uns in die Lage, die Geldkritik zu professionalisieren und die notwendige Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit zu leisten.

von Redaktion - 01. November 2003